Modul: Training analoge Bildverfahren

In diesem Modul werden die Schülerinnen und Schüler im Bereich der analogen Bildverfahren und der damit verbundenen Gestaltungsprozesse trainiert.

Ziele und Kompetenzen

  • Sicherheit in der Gestaltung mit analogen Bildverfahren (Zeichen/Malen)
  • Training zur Gestaltung nach Anschauung und aus der Vorstellung
  • Entwicklung und Visualisierung eigener Bildwelten
  • Sicherheit mit den gestalterischen Strategien und im gestalterischen Modus
  • Einblick in die Bildgattungen Historienbild (Mythologie, kulturelles Erbe, aktuelle gesellschaftliche Themen mit ihren Narrativen, Praktiken, Werte)
  • Verständnis der werkimmanenten Intention vs. Intention der Akteure
  • S – Weiterentwicklung eigenen Bildsprache bzw. eigener Darstellungsstile
  • S – Durchblick im Zusammenspiel von Werkfunktion, Modus und Kontext

Theorie und Geschichte

Wiederholung und Booster

  1. Das mit den geometrischen und organischen Körper…
    • Geometrisch abstrakte Körper aus verschiedenen Ansichten zeichnen
    • Dasselbe mit organischen Körper
    • Körper in naher Umgebung mit Licht und Schatten modellieren
    • Körper additiv und subtraktiv bearbeiten und Gegenstände entwickeln
    • Mehrere Gegenstände lose und nur scheinbar willkürlich zu einer Ordnung und einem neuen Gegenstand anhäufen (à la Arcimboldo)
  2. Das mit den Volumenelementen und Abstraktion…
    • Komplexe Gegenstände konstruieren, surreal kombinieren, zum Schmelzen, Kriechen, Laufen oder Fliegen bringen. Was ist möglich?
    • Situation mit perspektivisch korrekt platzierten Gegenständen/ Figuren frei aus der Vorstellung zeichnen (z.B. Mäuseblick auf Frühstückstisch)
  3. Das mit der Textur…
    • Diverse Übungen zur Typologie und gestalterischen Funktionen von Schraffuren und Duktus (Gestaltungsfunktionen) an einfachen Körpern
  4. Das mit den alten Aufträgen, z.B. mit …

Weitere Übungen und Aufträge aus alten Modulen:

Übungen

Materialien und analoge Bildverfahren zu nachfolgenden und anderen Übungen einüben und Sicherheit gewinnen:

  1. Spiel mit verschiedenen technischen Verfahren
    • Körper, Licht und Textur beobachten und mit unterschiedlichen technischen Verfahren umsetzen, experimentieren, diskutieren!
  2. Designateur vs. Colorist (z.B. Ausblick oder Lampen im dunklen Zimmer)
    • Designateur: Bleistift mit der Spitze, Aufbau konstruieren, schraffieren. Oder dasselbe mit Fineliner stilisiert eine Szene zeichnen.
    • Colorist: Bleistift flach halten und Augen zukneifen, evtl. Radierer. Oder mit weisser Kreide Lichter tonal auf schwarzes Papier „malen“.
  3. Stillleben nach Anschauung (Licht, Helldunkel, Farbe, Formen, Raum)
    • Metallische zylindrische Körper (alte Pfannen, Kaffeekocher, Metallrohre) oder (kaputte) Gläser mit Lumpen im abgedunkelten Raum und Seiten- oder Gegenlicht (Kerzenlicht, Tisch-/Fotolampen)
      • Kohle mit verstreichen und betonen auf weisses Papier
      • Nur helle und dunkle Stellen abgestuft abbilden, mittlere Grauwerte auslassen (weisse/schwarze Kreise auf Graupapier)
      • Lasierend achromatisch schw auf weiss und weiss auf schw
      • Deckend monochrom oder chromatisch je auf grau oder weiss
    • Kriterien
      • koloristisch mit Flächen/ Flecken/Verläufen (vs. Linien/ Konturen)
      • differenzierte Zwischentönen, Spitzlichter, Schwarzpunkt, …
      • naturalistische, plastische Wirkung in plausibler Darstellung
  4. Ästhetischer Modus (Variante zum letzten Modul)
  5. Die Ästhetik der alten MeisterInnen
  6. Speed-Variationen der Mona Lisa (und der ästhetische Modus):
    • Versuche als erstes mit dem Online Game Clone-a Lisa von VOLE.wtf das Renaissance-Gemälde Mona Lisa (1503) von Leonardo Da Vinci in 60 Sekunden so gut wie möglich zu kopieren… nicht einfach, oder?
    • Bespreche in der Klasse, wie die Prozentzahl hochgetrieben werden kann? Welche „Wahrnehmung“ steckt hinter dem Algorithmus?
    • Mach dich nun schlau über die ästhetischen Modi in der Gestaltung.
    • Versuche danach zu den verschiedenen Modi eine Variante der Mona Lisa herzustellen – unabhängig von der Prozentzahl. Schaffst du es, in 60 Sekunden eine visuelle Interpretation zu einem ästhetischen Modus zu kreieren, die deine KollegInnen erkennen?
    • Bespreche mit Hilfe des Spider-Diagramms etwas differenzierter die Resultate? Welche formale oder inhaltliche Grundelemente zeigen wie intensiv welche Ästhetik? Welche Grundelemente dominieren wieso
    • Und wenn du nun an deine (erste) Kopie in diesem Game zurückdenkst, wie müsstest du dazu das Spider-Diagramm zum ästhetischen Modus ausfüllen? Alles ist eine Frage der Ästhetik 😉
  7. Ein Werk und die verschiedenen Intentionen
    • Verschiedene Werke aus der Kunstgeschichte besprechen, die besonders mit einer Differenz mit der werkimmanenten Intention zur Intention der KünstlerInnen und zur Intention der Rezipienten (durch die Zeit) aufgefallen sind.
    • Erstelle ein KI-Bild (z.B. mit Stabel Diffusion), das eine grosse Differenz in der Intention unter den einzelnen Akteure oder auch mit der werkimmanenten Intention: z.B. ein Präventionsbild, das in den Sozialen Medien von Jugendlichen aus Sek I Stufe geschaltet werden soll, bei dem die NutzerInnen einen Unterhaltungswert haben, sie aber sich im Verhalten zu einem bestimmten Thema kritisch hinterfragen sollen…
  8. Historienbild aktualisieren
    • Historienbilder zeigen nicht nur geschichtliche Ereignisse, sondern auch biblische, allegorische, mythologische oder literarische Szenen. Drei bekannte Beispiele gemeinsam betrachten:
    • Notiere oder bespreche zu jedem Bild knapp:
      • Was geschieht? – Ereignis und Akteure
      • Wie wird es erzählt? – Held:innen, Gegner:innen, Wendepunkt…
      • Was wird behauptet? – das dahinter stehende Narrativ & Werte sowie dessen gesellschaftliche Funktion bzw. Instrumentalisierung
    • Wähle anschliessend ein Historienbild aus. Übernimm in einer kleinen Skizze die Figurenkonstellation, Komposition und das Narrativ, aktualisiere jedoch das Dargestellte (etwa Klimakonferenz als Abendmahl, Demonstration für Gleichheit, Sisyphos im endlosen Feed…). Was passiert mit nun dieser Verschiebung im Bild?
  • S – Training mit alten Abschlussprüfungen wie Maturaarbeiten etc.

Aufträge

  • Exzessive Apfelstudie (Wahrnehmung und Darstellungsfertigkeiten)
  • Vom Reisen (Illustration)
  • Griechische Mythologie neu illustriert (Wissenschaftliche Illustration)
  • Auftrag: Die Gegenwart als Historienbild
    • Entwurf: 1 × 20 Min. Umsetzung: 2 × 80 Min.
    • Gestalte ein aktuelles gesellschaftliches Thema als Historienbild unserer Zeit. Nutze ein kulturell bekanntes Narrativ, um eine heutige Fragestellung neu zu inszenieren: Wer handelt, wer leidet, wer gewinnt – und welche Werte werden vermittelt oder infrage gestellt?
    • Entwickle:
      • eine Bildidee mit einer Erzählung im entscheidenden Moment ;
      • hierzu eine prägnante vorbereitende Kompositionsskizzen;
      • eine passende Bildsprache beziehungsweise einen ästhetischen Modus, etwa idealisiert, expressiv, surreal, stilisiert, dadaistisch.
    • Beispiele für Themenfelder: Klimawandel, Krieg, Migration, Konsum, soziale Medien, KI, Macht oder gesellschaftliche Ungleichheit etc.
    • Technik, Material und Format: zeichnerisch oder malerisch frei aber passend zur Idee, z.B. Bleistift, Kreide, Ölpastell, Tusche oder Gouache. Keine Collage. Übungen ausserhalb des Unterrichts sind erlaubt; die Umsetzung des Bildes erfolgt jedoch ohne Hilfsmittel oder beiliegendes Bildmaterial ausschliesslich im Unterricht.
    • Abgabe: fertiges Bild (oder Bildreihe), auf der Rückseite Name und Titel sowie in einem Satz eine sehr kurze Erklärung zu Thema, übernommenem Narrativ, Bildsprache und Aussage.
    • Bewertung:
      • Narrativ und Komposition: Thema, Rollen und Werte sind prägnant bildlich verhandelt indem z.B. Figuren, Attribute, Interaktion, die Blickführung, Gewichtung und entscheidender Moment konstruktiv gestaltet sind.
      • Verfahren und Bildsprache: Das Bild ist gestalterisch sowie technisch überzeugend umgesetzt, der gewählte Stil bzw. ästhetische Modus werden gekonnt und passend eingesetzt
      • Bonus/Malus (Einhaltung der Vorgaben, Unerwartetes, …)

Veröffentlicht im

in

von

Schlagwörter: