Kontext

Kontext

Über die gestalterischen Grundlagen hinaus bietet dieses Dossier ein Überblick über den allgemeinen Kontext der Gestaltung sowie konkrete Einblicke in die Kunstgeschichte und kulturhistorisches Wissen (z.B. Mythologien).

Grundlagen

Der Kontext trägt wesentlich zur Interpretation eines Werkes bei. Manchmal kann der Zugang werkimmanent (ohne Recherche) erfolgen, was vor allem im Alltag oder aus pädagogischen Gründen geschieht. Dies ist insbesondere dann möglich, wenn man selbst der entsprechenden (Sub-)Kultur angehört. In den meisten Fällen muss jedoch ein zusätzlicher Effort betrieben werden, um den Kontext zu erschliessen. Dazu ist es notwendig, die Kunstgeschichte sowie den Kontext der beteiligten Akteure, des Settings und des entsprechenden Kulturguts zu erarbeiten.

Allgemeiner Kontext

Überblick

  1. Akteure
    • Instanzen: Einzelpersonen, Gruppen, (Sub-) Kulturen
    • Rollen: Produzenten, Rezipienten, weitere Betroffene
    • Eigenschaften: Disposition/Biografie, Antrieb/Absicht, Einfluss
  2. Setting (Situation/Umfeld)
    • Ort: physische, virtuelle und gedankliche Räume (inkl. Disziplinen)
    • Zeit: Zeitpunkt, Zeiträume, Kulturepochen (inkl. Kunstgeschichte)
    • Ressourcen: Infrastruktur, materielle und immaterielle Ressourcen
  3. Kulturgut
    • Kommunikation: Sprache und andere Konventionen zum Austausch
    • Praktiken: Verhalten, Kulturtechniken, Rituale
    • Leitbilder: Wissen/Geschichten, Kompetenzen, Werte/Normen, …

Details (Auszug)

1.3 Eigenschaften der Akteure

  • Disposition: Geschichte/ Biografie/ Prägung/ Tradition, Identität, Zustand
  • Antrieb: Grund/ Impuls/ Bedürfnis, Intention/ Ziel/ Absicht, Nutzen
  • Einfluss: Relevanz, Auswirkungen, Nachhaltigkeit

3. Kulturgut – materialisierte und geistige Substanz

  • Kommunikation
    • Sprache, Codes und andere Konventionen aller Art für den Austausch
  • Praktiken
    • Verhalten/Handeln/Nutzen, Kulturtechniken (wp), Rituale (wp)
  • Leitbilder/ -ideen
    • Wissen/Geschichten (visuelles, körperliches, diskursives, … Wissen)
    • Kompetenzen (Fertigkeiten und Fähigkeiten)
      • Kognitive, physische, soziale, prozessorientierte, … Kompetenzen
    • Werte (wp) (ästhetische, ethische, gesellschaftliche, … Werte)
      • Normen (wp), Paradigmen (wp), Einstellungen, Ethik, Maxime … inkl. Schönheit, Hässlichkeit, Integrität, Tradition, Wahrheit (?), Sinn (?)

Kunstgeschichte

Geschichte(n) der Kunst

  • Westliche Kunstgeschichte (siehe dazu auch den Kunstgeschichtsindex (kgi) mit chronologisch geordneten KünstlerInnen und Ressourcen)
  • Feministische sowie Queere Kunstgeschichte (Untersuchung der Kunstwerke im Hinblick auf deren Produktion und Rezeption bezüglich Geschlechterverhältnisse, Genderdarstellungen, LGBTQ+-Identitäten)
  • Postkoloniale Kunstgeschichte (Untersuchung von Kunstwerken und kulturellen Ausdrucksformen in Bezug auf Auswirkungen und Erbe des Kolonialismus sowie der Machtstrukturen und Identitätsfragen)
  • Global Art History (dezentrieren den Fokus von westlicher Kunst aus globalen Perspektiven, wobei westliche und nicht-westliche Kunst gleichberechtigt behandelt wird)

Geschichte der (westlichen) Malerei

Architekturgeschichte und Skulpturgeschichte

Designgeschichten

Fotografiegeschichte

Filmgeschichte

Hinweise zum Bildumgang

Kulturhistorisches Wissen (Ikonographie)

Motive, Sujets und Themen mit Links zu Wikipedia, Wikisource und studyflix

1. Bildtraditionen des Altertums

Altägyptische Mythologie

Griechische/römische Mythologie bzw. griechische/römische Götter

Biblische Urgeschichte und Figuren (Altes Testament)

2. Religiöse Bildtraditionen ab Spätantike und Mittelalter

Christliche Ikonographie (Neues Testament)

Neben Motiven des Alten Testaments werden Geschichten und Figuren aus dem Neuen Testament, apokryphen Texten und Heiligenlegenden genutzt.

Mittelalterliche Weltbilder und Symbolsysteme

  • z. B. Tugenden und Laster, Sieben Todsünden, Vier Elemente, Vier Temperamente, Lebensalter des Menschen, Rota Fortunae (Glücksrad), Ars moriendi, Bestiarien.

Weitere religiöse und mythologische Traditionen

3. Frühe Neuzeit ab Renaissance und Barock

Wiederentdeckung der antiken Mythologie und Weiterverwendung christlicher Bildtraditionen sowie Entwicklung komplexer allegorischer und symbolischer Bildprogramme.

  • z. B. zur bisherigen griechisch-römischen Mythologie insbesondere auch allegorische Figuren wie Justitia, Fortuna, Fama, Sapientia oder Musen, symbolische Systeme wie Artes liberales (die sieben freien Künste), Tierkreiszeichen, Planetenallegorien, alchemistische Darstellungen.

Darstellungen von Natur und Kosmos

  • z. B. Tiere, Pflanzen, Landschaften, Elemente, Jahreszeiten.

Barocke Themen

4. Historische, politische und gesellschaftliche Bildprogramme

Darstellungen historischer Ereignisse und politischer Ordnungen

  • z. B. Schlachten, Krönungen, Herrscherporträts, Triumphdarstellungen, Staatsgründungen, Revolutionen.

Symbolische Darstellungen politischer Ideen

  • z. B. Nation (Marianne, Germania, Britannia, Lady Liberty, Uncle Sam), Freiheit, Propaganda, Erinnerungskultur.

Darstellungen gesellschaftlichen Lebens

  • z. B. Arbeit, Familie, Märkte, Feste, Alltagsszenen.
5. Literaturhistorische Stoffe und Figuren ab Neuzeit und Moderne
6. Weitere religiöse und mythologische Traditionen

z. B. Hinduismus/Buddhismus, hinduistische Götter sowie ostasiatische, afrikanische Mythologien.

7. Diskursfelder der zeitgenössischen Kunst ab ca. 1960
  • z. B. politische Kunst, Krieg und Erinnerungskultur, Institutionenkritik, Technologie und Medien, Überwachung und Digitalisierung, Ökologie und Anthropozän, Gesellschaft und Kultur, Migration und Postkolonialismus, Identität und Körper, Gender, Sexualität und Queerness, ästhetische Selbstreflexion, Appropriation und Hybridität
  • Allgemeinwissen (kurzgesagt, 42 von Arte, Breaking Lab)
  • Populärkultur (Film, Serien, Comics, Games, Memes etc.)
  • Aktuelle Geschichten und Symbole in Pop und Mainstream 😉

Epochenübergreifende Grundthemen der Bildkultur

  • Ursprung und Schöpfung
    z. B. Schöpfung (Genesis), Pandora, kosmologische Mythen.
  • Macht und Ordnung
    z. B. Zeus/Jupiter als Götterherrscher, Christus Pantokrator, nationale Allegorien wie Marianne oder Germania.
  • Liebe und Begehren
    z. B. Aphrodite/Venus, Amor und Psyche, Darstellungen von Hochzeit und Familie.
  • Tod und Vergänglichkeit
    z. B. Hades in der antiken Mythologie, Totentanz im Mittelalter, Vanitas-Stillleben im Barock.
  • Transformation und Erlösung
    z. B. Metamorphosen antiker Mythen, Auferstehung Christi, moderne Darstellungen von Befreiung oder Wiedergeburt.
  • etc.

Weiterführende Links

Weitere Ressourcen und Sammlungen

Museen und Ausstellungen

Weitere Links


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