Modul: Tiere und Wesen

Tiere sind mehr als nur Dienst- und Nutztiere. Sie sind fest in unserer Kultur verankert. Als Metaphern und Symbole beflügeln sie die Phantasie und helfen uns zu kommunizieren. Dies wird durch die Möglichkeit von Fantasiewesen noch erweitert. In diesem Modul beschäftigen wir uns mit der Darstellung und Symbolik von Tieren und Wesen.

Mit Tieren und Wesen können wir uns einfacher identifizieren, erfolgreicher Produkte vermarkten oder uns einfach nur intensiver ausleben. In einem Video- oder Rollenspiel verleihen sie uns Eigenschaften wie Stärke, Weisheit oder Anerkennung. In schwierigen Situation können Tiere und Wesen auch dazu dienen, Situationen zu erfassen, Botschaften zu übermitteln oder sogar eine Zensur zu umgehen, wie es schon der Schriftsteller Lafontaine im 17. Jahrhundert mit seinen Fabeln gemacht hat.

Tiere und erfundene Wesen spielen auch eine wichtige Rolle in der Wirtschaft und Markenwelt. Einige Beispiele dafür sind die Sportmarke Puma, die Pferde von Ferrari oder Red Bull, das uns Flügel verleiht. Auch in der Sportwelt finden wir zahlreiche Beispiele. Die Basketballmannschaft der Chicago Bulls ist für ihr markantes Logo bekannt, und die Fussballer von Juventus Turin werden aufgrund ihrer traditionellen schwarz-weissen Trikots liebevoll als „Die Zebras“ bezeichnet.

Auch Städte und Länder werden mit Tieren und Wesen repräsentiert. Der geflügelte Löwe als Attribut des Stadtheiligen Markus steht für Venedig. Und welches Tier oder Wesen repräsentiert deine Region? Diese Beispiele zeigen, wie tief Tiere und Wesen in unserer Kultur verankert sind. Tiere und Wesen haben die Kraft, Identitäten oder Zugehörigkeiten zu bilden, Emotionen zu zeigen, Unbeschreibliches zu kommunizieren, aber auch wie im Sport und Videogames Grenzen zu überwinden. Deshalb sind Tiere und Wesen ein wichtiger Bestandteil unserer Kultururen.

Kompetenzen

  • Tiere und Wesen zeichnerisch darstellen können (expressive sowie wirklichkeitsnahe Anatomie mit Formen, Volumen, Texturen, verschiedene Körperhaltungen, spielerische bis fantastische Variationen und Metamorphosen, …)
  • Verständnis von der kulturell-symbolischen Bedeutung von Tieren (als Sportzeichen, in der zeitgenössischen Markenwelt, in Werbung, Film, Games und nicht zuletzt in der Bildenden Kunst)

Einstieg und Booster

  • Ich sehe, was du nicht siehst. Farbkleckse prozessorientiert (atelisch) produzieren (mit Freude am Prozess schmieren, verstreichen, quetschen, falten, …), danach aushängen und im Plenum Interpretationsrunden durchführen. Wähle deine Worte mit bedacht (ICH sehe …, die meisten sehen wahrscheinlich …, …):
    • 1 – Was siehst du, was die meisten ohne Erklärung auch sehen?
    • 2 – Was siehst du, was die anderen nur mit deiner Erklärung sehen?
    • 3 – Was siehst du, was trotz Erklärung nur die wenigsten sehen?
    • Was sagt das über das Bild, was über die Klasse, was über dich aus?
    • Was sehen die meisten? Pflanzen, Menschen, Tiere, …?
    • Was sagt das Experiment über unsere Kultur, über Gesellschaft und vielleicht auch über Konflikte aus? Wie können wir damit umgehen?
  • Schattenbilder von Händen produzieren: Händen im dunkeln Raum mit Handylicht auf A3-Papier projizieren und der Silhouette nachfahren. Was braucht es danach für minimale zeichnerische oder malerische Elemente, um die Silhouette eindeutig zu interpretieren? Setze dies um!
  • Tiersymbolik: Tiere und Wesen in Signeten, Wappen, von Ländern, Hockeyteams analysieren und kulturelle Bedeutung der Tiere recherchieren (evtl. auch Wandel zu verschiedenen Zeiten und Kulturkreisen thematisieren)

Theorie und Geschichte

Übungen

Tierdarstellungen nach Anschauung im Profil (Silhouette) von relativ realistischen Plastiktieren (z.B. von Schleich)

  • Zeichnung mit Bleistift auf A4 im Hochformat (Freihandzeichnen)
  • A) Einsteig: Tierdarstellung in der Silhouette
    • Ohne Vorlage aus der Vorstellung
    • Mit Vorlage auswendig lernen und diese dann weglegen
    • Nach Anschauung 
  • B) Wie können die Proportionen besser übernommen werden? Langsam von feiner zu starker Strichstärke heranführen:
    • 1) Messlinien für Netz und Rahmen 
    • 2) Einfache kubische Formen und runde Formen 
    • 3) natürlich Ausarbeiten 

Tierdarstellungen ab Foto im Profil (Silhouette) von relativ realistischen Plastiktieren (z.B. von Schleich)

  • Zeichnung mit Adobe Fresco, neue Datei in Bildschirmgrösse, quer
  • Ebenenaufbau (von unten beginnen!): 
    • Ausarbeitung auf neue Ebene mit Pixelstift (oberstes Werkzeug) 
    • Auf neue Ebene (Ebenen +) mit Vektorpinsel (drittes Werkzeug von links oben) Volumenelemente einzeichnen 
    • Foto eines Tiers im Profil einfügen (Icon „Bild“ links oberhalb der Farbe) und Ebenendeckkraft reduzieren (zweites Icon „Regler“ rechts) 
    • Evtl. weisses Blatt

Tierdarstellung mit Ansatz von Räumlichkeit 

Analog Bleistift auf A4

  • Diskussion: Wie entsteht Räumlichkeit? Einfach gezeichnete Räumlichkeit?
    • Asymmetrie: Leichtes Versetzen der Volumenelemente der Gliedermassen 
    • Strichstärken: Nähere Körperteile oder bei Überscheidungen vordere Linien betonen 
    • Schattierungen: Unterseite und Abrundungen auf eine Seite sowie versetzte Körperteile leicht anschraffieren 
    • (Später: Halbprofil, d.h. eingedrehte Tiere – mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad) 
  • Praktische Umsetzung: Tier aus Kopf zeichnen und Räumlichkeit verstärken 

Tierdarstellungen Variation mit verschiedenen Posen (und in Bewegung) 

Fresco Buntstifte auf Bildschirmgrösse

Aus bestehenden Figuren oder neues Tier wählen (z.B. Dinosaurier Figuren) 

  1. Neues Frescodokument, Tierfoto im Profil (Seitenansicht) einfügen 
  2. Neue Ebene und Volumenlemente einzeichnen 
  3. In neuer Bildebene Tier ausformulieren 
  4. Neue Ebene erstellen und z.B. äussere Volumenlemente versetzen 
  5. In weitere Bildebene diese neue Pose ausformulieren 
  6. Zwischen den Bildebenen manuell hin und herklicken und so animieren 

Nun in Fresco den Animationsmodus entdecken (mit zwei Frames, im Loop und Einstellungen der Wiedergabe experimentieren)

Das fremde Wesen – Kollaboratives Arbeiten an einem Dokument 

  • Eine Person zeichnet in Fresco einen Teil eines Tieres 
  • KollegIn einladen (oben rechts „Dokument freigeben“), Datei schliessen 
  • Öffnen eines anderen freigegebenen Dokuments 
  • Wesen mit anderem Tier fertig zeichnen und Dokument schliessen 
  • Kleine Ausstellung mit den erschaffenen Wesen 

Weitere Übungen

  • Studienblatt Tierzeichnungen (Posen und 3D)
    • Tierdarstellungen aus klassischen Zeichnungsdossiers einüben
    • Tiere abstrahiert mit geometrischen Elementen vorzeichnen (Kreis, Ellipse, Rechteck, Mehreck etc.) und danach ausarbeiten
    • 1 – Mit dieser Technik Tiere aufbauend in der Silhouette zeichnen
    • 2 – Mit dieser Technik Tiere in der Posen (Körperhaltung) variieren
    • 3 – Mit dieser Technik Tiere in 3D mit Volumenelementen eingedreht bis frontal zeichnen, d.h. aus Rechtecken, Kreisen etc. werden Quader, Zylinder, Kugeln etc. (evtl. auch in leichter Unter- und Aufsicht)
  • Echte Tiere abzeichnen
    • Kann jemand ein Tier von zuhause mitbringen?
  • Mit Knetmasse in 3D
    • Mit Ton/ Plastilin bekannte Tiere formen (nur mit Materialverschiebung)
    • Clash of Claytures (die Klasse kreiert eine Welt vieler neuer Wesen aus Plastilin, danach Komposition und Inszenierung mit Interaktionen auf einem Tisch oder stabilen Spielbrett)
  • Wuschelding – Wesen mit Textur im Licht (zwei Buntstifte auf Tonpapier)
    • Volumenelemente wie Kugel, Kegel, Zylinder, Quader, Pyramide in verschiedenen Ansichten zeichnen: frontal, eingedreht, erhöht, vertieft
    • Volumenelemente mit Licht und verschiedenen Texturen schraffieren
    • Und danach mit dem Erlernten neue Wesen kreieren

Aufträge

  • Die Tiere sind los!
  • Phantastische Kreatur (Character Design)
  • Sind die Bestiarien echt? (mittelalterliche Buchmalerei)
  • Meine eierlegende Wollmilchsau
    • Variante von einem Phantasietier, das alles kann, das du für wichtig hältst (Diskussion: Was erwarten wir von Tieren? Ist das OK?)
  • Der Sprung zur Verwandlung (eine Metamorphose in 5 Bildern) 
    • Auftrag: Zeichne in mehreren, regelmässigen Stufen auf dem vorbereiteten Papierstreifen gut verteilt eine Verwandlung von einem bekannten Tier zu einem anderen bekannten Tier. Beweise damit deine Kompetenzen, Tiere in korrekten Proportionen und Formen plastisch darzustellen und mit Posen und Ansichten zu spielen sowie etwa in den Zwischenbildern mit den Volumenelemente zu jonglieren (selbständig angemessenen Schwierigkeitsgrad wählen).
    • Material: Bleistift auf Leporello-Papierstreifen (z.B. 70 cm x 16 cm)
    • Kriterien 
      • Plastische Darstellung bekannter Tiere in glaubwürdigen Proportionen und Formen (2x) 
      • In der Strichstärke differenzierter und in der Haptik sicherer Stricheinsatz (d.h. sicher gezogene Hilfs- und Körperlinien in verschiedenen und passenden Betonungen, möglichst ohne Radierer) 
      • Durch prägnante Einzelbilder kreative und eindrückliche, aber auch kontinuierliche und nachvollziehbare Übergänge  
      • Bonus/Malus (Einhaltung der Vorgaben, Unerwartetes, …) 

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