Modul: Wirklichkeitsnahe und sachlich wirkende Raumdarstellungen

Dieses Modul beschäftigt sich mit den klassischen Verfahren der Raumdarstellung und lotet wirklichkeitsnahe sowie sachlich wirkende Bilder aus.

Ziele und Kompetenzen

  • Räumliches Zeichnen und Malen nach Anschauung und aus der Vorstellung
  • Verständnis wirklichkeitsnaher und sachlicher Raumdarstellungsverfahren
  • Freies Gestalten mit den verschiedenen Raumdarstellungsverfahren
  • Einordnung der Absicht anhand der Raumdarstellung

Theorie und Geschichte

  • Parallelprojektion kurz und knapp (Dreitafel- und freie Parallelprojektion)
  • Punktperspektive kurz und knapp (Frontal- und Übereckperspektive, Mehrpunktperspektive, Frosch- und Vogelperspektive)
  • Verkürzungen und Verzerrungen von Strecken, Flächen und Kreise
  • Raumverstärkende Schraffuren (Parallel und freie Schraffur mit Variation von Stärke, Richtung und Dichte)
  • Perspektivische Merkmale (alle) inkl. Luft- und Farbperspektive
  • Bildbetrachtung mit Beispielen aus der Kunstgeschichte

Übungen

  • Strichführung zum Aufwärmen (Bleistift, A3-Kopierpapier)
    • Quer und dann längs durchgehende Geraden ziehen (aus dem Arm, angehobener Ellenbogen), mit Variation der Strichstärke spielen (von Parallele zu Parallele, danach innerhalb der Geraden) sowie verdichten
    • Spielereien mit lauter Variationen an unterbrochenen und kombinierten Elementen und Fragmenten (Bänder von schief angeordneten Parallelen, Wellenformen, alternierende Halbkreise, Ornamente etc.)

  • Freies gegenständliches Zeichnen aus der Vorstellung mit Volumen (A3)
    • Cézanne sagte: „Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive“. 
    • Arbeite auch du mit Kugel, Kegel, Zylinder sowie mit Quader, Schläuchen und Schlaufen. Diese sollen subtraktiv modifiziert werden (geschnittener Kubus, Zylinderstumpf, Halbkugel…). Zeichne diese aus verschiedenen Richtungen, auch in der Luft schwebend. Baue sie mit feinen Hilfslinien auf und modelliere die Materiallinien heraus. Verwende danach eine Raumschraffur, um die Plastizität zu erhöhen.
    • Entwickle nun mit diesen Volumen zeichnerisch im additiven und subtraktiven Verfahren konkrete Gegenstände aus deiner Erinnerung. Was ist alles möglich? Zündholzschachtel, Gartenhaus, Küchenschaltuhr, Trillerpfeife, Wasserkanne, altes Telefon…

  • Räumliches Zeichnen mit der Parallelprojektion (A4-Zeichenpapier)
    • Studiere die Theorie zur Parallelprojektion.
    • Setze die vorhin gezeichneten und andere Gegenstände als in der Parallelprojektion um. Und zwar als Aufriss-Schrägbild, Grundriss-Schrägbild, Isometrie, freie Parallelprojektion, Dreitafelprojektion (3TP).

  • Zeichnen nach Anschauung (weisser Farbstift, A4 schwarz)
    • 1) Einen mehr oder weniger geometrischen Körper (z.B. Werkzeuge, Küchenutensilien, Elektrogeräte) wird aus ca. ein bis zwei Armlängen Entfernung sorgfältig beobachtet. Dies geschieht visuell mit Hilfe von Auge-Bleistift-Objekt-Messungen der Proportionen und Winkel. Die erfassten Masse werden auf das Zeichenblatt übertragen. Dabei erfolgt die Annäherung über grobe, abstrahierte Körper wie Kuben oder Zylinder, die mit Hilfs- und Messlinien aufgebaut und additiv sowie subtraktiv bearbeitet werden. Zur räumlichen Ausarbeitung werden Materiallinien und vordere Elemente mit einer stärkeren Strichführung herausmodelliert. Weiter erfolgt bei den Lichtern eine plastische Bearbeitung des Objekts durch den Einsatz von Raumschraffuren.
    • 2) Für eine zweite Zeichnung wird das Objekt etwa 10 cm vor ein Auge gehalten und im selben Aufbau wie die erste Zeichnung umgesetzt. Was passiert mit den Formen, was mit der Wirkung?

  • Räumliches Zeichnen mit der Punktperspektive (w&s Farbstift, A4 grau)
    • Studiere die Theorie zur Fluchtpunktperspektive.
    • Zeichne Aussen und Innenräume in Einpunkt-, Zweipunkt- und Mehrpunktperspektive. Spiele mit den verschiedenen Ansichten wie Frosch-, Normal- und Vogelperspektive. Zum Beispiel:

Unterrichtsbeispiele: Mehrpunktperspektive (Kombinierte 1PP und 2PP) von der Übung „Acht Würfel“ in Vogel- und Froschperspektive

  • Zeichnen und Malen einer Berglandschaft aus der Vorstellung
    • Raumtiefe: Bildbetrachtung und Reflexion
      • Schau dir ein Gemälde mit hoher Raumtiefe an (z.B. Pozzo’s Apotheose des Heiligen Ignatius von 1691-94 oder Altdorfer’s Susanna und die beiden Alten von 1526 oder ähnlich).
      • Überlege dir in einem ersten Schritt, wie Raumtiefe entsteht. Fokussiere dich auf Farbe (Farbton, Sättigung, Helligkeit), Formen (Linien, Flächen, Volumen), Texturen, Licht und die Sicht.
      • Schau dir danach die Theorie zu den perspektivischen Merkmalen an und versuche anschliessend im selben Bild entsprechende Stellen zu finden, die bisher nicht exemplifiziert wurden.
    • Kleine Berglandschaft (Bleistift, A4 und Gouache, starkes ca. A5)
      • Skizziere zunächst mit Bleistift. Setze einen Horizont, zum Beispiel im goldenen Schnitt. Arbeite auf verschiedenen Raumebenen mit Überschneidungen. Platziere grössere Volumen im Vordergrund und kleinere Streifen näher zum Horizont.
      • Verwende anschliessend Malfarben, um die Farb- und Luftperspektive anhand eines schönen Herbstnachmittags anzuwenden. Beachte, dass die Farben nach hinten hin kühler, heller und trüber werden, auch am Himmel. Weiter entfernte Elemente werden zudem unschärfer. Die vordersten Bergvolumen kannst du zudem mit Licht und Eigenschatten modellieren. Falls du diese Übung bereits kennst: Wie schaut diese Szene bei Nacht aus mit einer leuchtenden Stadt im vorderen Bereich der Talsohle?

Unterrichtsbeispiele: Kleine Berglandschaft

Aufträge

Parallelprojektion (sachliche Darstellung)

Fluchtpunktperspektive (wirklichkeitsnahe Darstellung)

Kombinationsaufträge

Diskussion

  • In welchen gestalterischen Produkten oder Medien wird mit der Darstellung von wirklichkeitsnahen oder sachlich wirkenden Bildverfahren gearbeitet?

Weiterführende Links


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