In diesem Modul werden Beiträge zur Vertiefung in Innenarchitektur, Raumgestaltung und Szenografie zusammengestellt.
(Beitrag in Arbeit)
Ziele und Kompetenzen
- Räume als Zusammenspiel von Grundelementen, Gestaltung und Kontext wahrnehmen, analysieren und entwickeln
- Nutzung, Atmosphäre und Inszenierung durch Raum, Material, Licht, Farbe, Bewegung und weitere gestalterische Mittel gezielt entwickeln
- Einen kritischen Umgang mit den praktischen Funktionen und Modi sowie mit der Artikulation (Rhetorik, Tonalität & Performanz) entwickeln
- Innenarchitektonische und szenografische Konzepte in gestalterischen Prozessen erproben, weiterentwickeln und angemessen darstellen
Wiederholung und Booster
- Modul: Vertiefung Architektur
- Muss: Punktperspektive kurz und knapp
- Muss: Parallelprojektion kurz und knapp
- Booster: Vom Grundriss zur räumlichen Ansicht
- Materialerfahrung: Eigenschaften, Oberfläche und Textur von Materialien wahrnehmen und gestalterisch nutzen; Materialien schneiden, ritzen/falten, formen, fügen, beschichten und materialgerecht einsetzen
Theorie und Geschichte
- Begriffsfeld Raumgestaltung:
Innenarchitektur gestaltet Innenräume im Zusammenspiel von Nutzung, Körper, Konstruktion, Material und Atmosphäre.
Szenografie gestaltet räumlich-zeitliche Inszenierungen und verbindet Raum mit Dramaturgie, Wahrnehmung, Bewegung und Inhalt.
Spatial Design erweitert den Blick auf temporäre, öffentliche, hybride und mediale Raumerfahrungen. Ausstellungsgestaltung, Bühne, Film, Event und weitere Bereiche überschneiden sich mit diesen Feldern. - Die Gestaltungsfrage als Kompass: Wer gestaltet im Auftrag von wem für wen wann und wo – was womit und wie – warum und mit welcher Wirkung? Räume können damit analysiert, entworfen und hinsichtlich ihrer Nutzung, Wirkungen und gesellschaftlichen Situierung reflektiert werden.
- Praktischer und kultureller Modus sowie Gestaltungsparadigmen und gestalterische Artikulation in der Innenarchitektur
- Raum und Nutzung: Re-/Inter/-Aktion der Figur im Spiel mit Massstab – Ergonomie – Möblierung – Einbauten – Schwellen und Wege – Orientierung – privat/öffentlich – Zugänglichkeit etc.
- Raum und Atmosphäre: Wahrnehmung des Zusammenspiels von Form – Farbe – Textur – Licht – Material – Akustik – Klima – Geruch als Ganzes. Beschreibung der Wirkung idealerweise mit geschickt gewählten Adjektiven wie intim, geheimnisvoll, bedrückend, feierlich etc. oder assoziativen Begriffen. Hilfe können auch Analogien z.B. zu Wetterlage, Musik- oder Filmgenre geben, wobei Vorsicht geboten ist, um nicht ins Banale oder Stereotype zu fallen. Genau so können Persönlichkeitsmodelle genutzt werden, insbesondere mehrdimensionale Modelle z.B. mit überlagerten semantischen Differenzialen wie das OCEAN-Modell.
- Raum und Inszenierung: Sequenz – Blickführung – Dramaturgie – Objekt – Bild, Text, Medien – Licht und Klang – Bewegung und Zeit
- Historische Linien im Überblick: Innenraum zwischen Repräsentation und Alltag – Gesamtkunstwerk, Reform und Moderne – Bühne und andere räumliche Experimentierfelder – Erlebnis-, Konsum- und Medienräume – zeitgenössische erweiterte Raumpraktiken
- Exemplarische Positionen: z.B. Eileen Gray, Charlotte Perriand, Carlo Scarpa, Lina Bo Bardi, Es Devlin, raumlaborberlin, Formafantasma, …
- Gegenwärtige Fragen: Weiterbauen und Umnutzen – Wiederverwendung und Kreislauf – flexible und reversible Räume – Inklusion und Partizipation – Gestaltung für Orientierung, Wohlbefinden und Sicherheit – Emotionalisierung, Konsumlenkung und Verhaltenssteuerung – öffentlicher und sozialer Raum – physisch-digitale und immersive Räume
Übungen
- Material- und Texturbibliothek: Materialien und Oberflächen sammeln, fotografieren oder als Muster dokumentieren und nach wahrnehmbaren und gestalterischen Eigenschaften ordnen: z.B. hart/weich, glatt/rau, schwer/leicht, transparent/opak, warm/kühl, flexibel/starr. Bearbeitung, Fügung, Alterung, Wiederverwendbarkeit und mögliche räumliche Wirkungen exemplarisch untersuchen.
- Virtueller Raum mit Farbwirkung: Konstruiere eine räumliche Innenansicht mit Blick auf die Rückwand (2D-Zentralperspektive / Fluchtlinien). Zeichnee die Konstruktionslinien als exakte Vektoren (Rechteck-Werkzeug / Linienzeichner-Werkzeug). Sperre anschliessend diese Ebenengruppe (Ebenen-Bedienfeld / Auswahl sperren) und zeichnet auf einer neuen Ebene darüber die exakten, geschlossenen freien Vektorflächen nach (Pfadwerkzeug / Zeichenstift-Werkzeug). Fülle nun die Vektorflächen mit einer abgestimmten Farbpaletten und experimentiere damit (Zeichenfläche und Inhalt duplizieren, in der Farbe varieren). Übersetzt die Raumfarbwirkung in treffende Adjektive (z. B. „weit“, „eng“, „hoch“) bzw. (z.B. „sakral“, „beklemmend“, „intim“) und überprüfe deine Resultate bei deinen KollegInnen.
- Virtueller Raum mit Materialwirkung: Fotografiere reale Oberflächen (Sichtbeton, Holz, Haare, Schmutz, …) mit dem Smartphone und erstelle dir so eine variantenreiche Materialbibliothek (Adobe Capture App / nahtlose Muster im Quadratausschnitt) und synchronisiere sie mit dem Computer (CC-Bibliotheken, mit Login). Ziehe diese als Füllung auf deine Vektorflächen (Muster aus CC-Bibliothek in Farbfelder). Passt die Texturen perspektivisch ungefähr an den Verlauf der Wände und Böden aus Teil 1 an, ohne die gezeichnete Raumform selbst zu verändern (Doppelklick auf Skalieren-Werkzeug, dann nur Muster transformieren / skalieren und drehen ohne Objekt). Experimentiere nun auch hiermit, benenne die Wirkungen und überprüfe deine Erkenntnisse mit der Wahrnehmung deiner KollegInnen.
- Atmosphären-Labor: Einführend Werkbesprechungen von James Turrell. Aufgabe: Einen einfachen, identischen Modellraum durch Veränderungen von Licht, Farbe, Material, Textur und Öffnungen in deutlich unterschiedliche Atmosphären verwandeln. Varianten fotografisch dokumentieren, vergleichen, gezielt weiterentwickeln und die Wirkung beschreiben. Mit welchem Konzept und welchen Begriffsfeldern lässt sich dies am besten beschreiben?
- Raum lesen: Das eigene Schulzimmer oder einen anderen Raum kritisch analysieren. Wie verteilen sich Körper, Wege, Blickrichtungen, Nähe und Distanz? Welche Nutzung und welches Verhalten legt der Raum nahe? Wer verfügt über welchen Platz, welche Sichtbarkeit oder Kontrolle? Beobachtungen mit Nutzung, Skizzen, Fotografien, Plänen. Danach Antwort auf die Gestaltungsfrage. (oder mit Bsp. aus Geschichte, Film…)
- Raum verorten: Nutze die Listen zum praktischen Modus, kulturellen Modus, zu den Gestaltungsparadigmen und gestalterischen Artikulationen. Recherchiere unbekannte Begriffe (ergänze bei Bedarf). Besuche unterschiedliche, insbesondere ungewohnte, schwierige oder widersprüchliche Orte: Innenräume, Hauswinkel, öffentliche Plätze, Strassenecken, Durchgänge etc. a) Untersuche und vergleiche sie mithilfe der Begriffe aus den Listen. Was fällt bei diesen Un-Orten auf? Worin unterscheiden sie sich? b) Wo haben sie dennoch Potential?
- Gestalterischer Prozess: Zu einer kleinen räumlichen Fragestellung unterschiedliche Prozesshaltungen erproben: prozessorientiert Möglichkeiten entstehen lassen, zielorientiert auf eine vorgestellte räumliche Wirkung hinarbeiten und zweckorientiert von Nutzung oder Funktion ausgehen. Im Spiel mit Prozessverhalten und Prozessbewusstsein Varianten generieren, verändern und kombinieren; Entscheidungen und Richtungswechsel nachvollziehbar dokumentieren.
- 1:1-Raumintervention: Einen kleinen Bereich des Schulhauses mit wenigen, reversiblen Mitteln temporär verändern. Mit Material, Licht, Begrenzung, Anordnung oder weiteren Mitteln gezielt Wahrnehmung, Atmosphäre, Nutzung oder Verhalten beeinflussen und die tatsächliche Wirkung beobachten.
- Vom Inhalt zum Raum: Einen Begriff, Gegenstand, Text, Bild, Klang oder ein aktuelles Thema in eine räumliche Idee übersetzen. Zunächst mit bereits bekannten Medien wie Skizze, Collage, Fotomontage, Illustration oder Storyboard arbeiten und daraus Raum, Blickführung, Sequenz und Inszenierung entwickeln.
Aufträge
- Weiterbauen im Bestand – innenarchitektonische Konzeptstudie
- Raum erzählt – szenografische Konzeptstudie
Ein selbst gewählter Inhalt wird in ein räumlich-zeitliches Erlebnis übersetzt. Entwickelt wird keine blosse Kulisse, sondern eine Dramaturgie: Was nehmen Rezipierende wann, wo, wodurch und in welcher Reihenfolge wahr? Ausgangspunkt können Installation, Bühne, Film/Game, Ereignis, temporärer Raum oder ein hybrider physisch-digitaler Raum sein.
Prozess: Recherche & Inhalt – räumliches Konzept – Dramaturgie und Sequenz – Skizzen/Storyboard – Grundriss und Schnitt – Studien zu Material, Licht, Bild, Text, Klang oder Medien – Entwicklung der Materialien.
Präsentation: Analoges oder digitales Modell, räumlicher Prototyp oder exemplarisches 1:1-Element sowie geeignete Visualisierungen der Raumerfahrung (Fotografien oder Illustrationen).
Weiterführende Links
- Modulüberblick Architektur und Szenografie
- Dossier Architektur und Szenografie
- Archijeunes – Baukulturelle Bildung und Unterrichtseinheiten zu Raumwahrnehmung und Raumgestaltung
- Hochschule Luzern – Innenarchitektur – Gebrauch, Atmosphäre, Material, Licht und Bauen im Bestand
- Hochschule Luzern – Spatial Design – räumliche Gestaltung, Experience Design, Interaktion und mediale Räume
- HGK Basel / FHNW – Innenarchitektur und Szenografie – Innenraum, Szenografie, öffentlicher Raum und gesellschaftliche Fragestellungen
- Innenräume, Bühnen, Film/Game, Retail, öffentliche Räume und temporäre Interventionen als Untersuchungsfelder