Dieser Beitrag beinhaltet die Bildgeschichte des Mittelalters mit Romanik und Gotik, wobei die Kunst der Völkerwanderung, sowie die byzantinische (500 bis 1500), karolingische (750 bis 950) und ottonische Kunst (919 bis 1024) unerwähnt bleiben. Diese wären in einem weiteren Schritt zu besprechen. (Übersicht und Hinweise zur gesamten Beitragsreihe: Geschichte der Malerei)

Romanik (950 bis 1200)

Zur Zeit der Romanik wuchs das Vermögen der Klöster durch Stiftungen, Schenkungen und finanzielle Zuschüsse der Herrscher. So hatten die Klöster die vorherrschende Stellung in der Kunstproduktion, die somit auch vorwiegend religiösen Zwecken diente. Dies zeigt sich z.B. bei den Kirchen auch in den imposanten und repräsentativen Bauten mit den massiven Rundbogen (z.B. Dom zu Speyer, Dom von Pisa). Auch der Einfluss byzantinischer Malerei (Ikonen) und ästhetischer Lösungen nach dem dortigen Bilderstreit ist sichtbar.

          
Christus Pantokrator , Apsisfresko, S.Clemente in Spanien, um 1123 (heute im Museum für kathalanische Kunst, Barcelona)
Teppich von Bayeux in der Normandie (wm), Stickarbeit ca. 70m X 50 cm, 1070-1082 (heute im Städtischen Museum, Bayeux) (Animierte Version von David Newton)
Eine Kassette des Deckengemäldes der Kirche St. Martin, Tafelmalerei, Zillis in Graubünden, 1109-1114
Vertreibung aus dem Paradies, Goldgrundmosaik, Kathedrale von Monreale auf Sizilien, 1172-1184
Verkündung an die Hirten, Buchmalerei, Perikopenbuch Heinrich II , Insel Reichenau, 1007-1012 (eigentlich ottonische Buchmalerei)
 

Inhalt: hauptsächlich biblische Szenen aus dem alten und neuen Testament und den Apokryphen, gelegentlich auch weltliche Themen wie Bilder zur Machtveranschaulichung eines Herrschers oder zur Geschichtsschreibung

Form: Geringer Naturalismus, hoher Symbolismus, Goldgrund verdrängte die bisher oft angedeutete Raumtiefe, statt Gegenstandsfarben wurde nun verstärkt auch Symbolfarben verwendet (z.B. Gold = das Überirdische, Himmlische), Bedeutungsperspektive, Verzicht auf Modellierung durch Licht und Schatten (flächige Malweise), sparsame und stilisierte Linienführung, kraftvolle Umrisslinien, wirkt deshalb primitiv aber stark im Ausdruck, symmetriebetonte Anordnung der Bildgegenstände, Figuren meist frontal, Blick und Gebärden sind wichtig und übertrieben, reduzierte Mimik, Spruchbänder, Ornamentik

Technik: hauptsächlich Buchmalerei (Höhepunkt) und Wandmalerei (viele zerstört oder übermalt), auch Glasmalerei, Teppiche, Stickereien, Mosaike, Beginn der Tafelmalerei mit Tempera

Gotik (1150 bis 1500)

Die Gotik entstand in Frankreich und dauerte bis 1400 bzw. nördlich der Alpen bis 1500 (Spätgotik). Um 1100 lebten seit der Antike nun die Städte und Märkte wieder auf. Die Entwicklung einer Geldwirtschaft stärkte wirtschaftlich und politisch das Bürgertum, welches die Position des Auftraggebers und -nehmers (=Handwerker) einnahm. Dadurch nahm der Einfluss der Klöster auf die Kunst leicht ab. Die Naturwissenschaften entwickelten sich. Trotzdem hielt die christliche Autorität und religiöse Empfindung an (Mystik). Das irdische Leben galt als Vorbereitung für den Himmel. Die Sehnsucht zum Himmel spiegelt sich ebenfalls in der Architektur in den hochragenden und durch die Strebpfeiler dennoch leicht erscheinenden Kathedralen, dessen lichtdurchflutete Innenräume mit farbigen Glasfenstern, Spitzbogen und Kreuzrippengewölben visuell schwer zu erfassen sind und das himmlische Jerusalem auf Erden darstellen (z.B: Kathedrale Strasbourg, Notre Dame Paris, Stefansdom Wien, Dogenpalast Mailand).

     
Thronende Madonna mit Engel, um 1290 Cimabue , Louvre , Paris
Verkündung, 1333 Simone Martini , Uffizien, Florenz
Die Erschaffung der Tiere, Grabower Altar1375–1383 Meister Bertram , Kunsthalle Hamburg
Februarminiatur, Buchmalerei, Stundenbuch Très Riches Heures du Duc de Berry, 1413–1416 Gebrüder Limburg , Musée Condé, Chantilly (F) Flucht nach Ägypten, Fresken, 1304-1306 Giotto di Bondone , Arenakapelle/Scrovegni-Kapelle, Padua

Inhalt: biblische Themen, Heiligendarstellungen, zunehmend auch profane Themen (höfisches Leben, Turnier, Jagd, Minnesang, Jahreszeiten), erste Portraits

Form: Ästhetik bewegt sich zum Naturalismus, zu Beginn Darstellung der heiligen Personen meist noch mit Goldgrund und -nimben, später immer mehr Versuche, den Hintergrund naturnahe zu gestalten, somit Loslösung von der byzantinischen Bildtradition/Ästhetik (insbesondere Giotto), schliesslich ersetzt die Landschaft den Goldgrund, der Maler wird immer wichtiger, Figuren wirken wieder plastischer (Farbmodellierung), Mimik und Gestik der Figuren sind ansatzweise erkennbar, räumliche Gesamtwirkung bleibt sekundär (additiv)

Technik: Verselbständigung der Tafelmalerei (Altarbild, Flügelaltar) und Glasmalerei zu einem selbständigen Handwerk, Wandmalerei meist nur noch südlich der Alpen, da die gotischen Kathedralen des Nordens keinen Raum mehr für Wandmalerei haben, Weiterführung der Buchmalerei, Bebilderung weltlicher Gebäude

Vertreter: Meister Bertram, Gebrüder Limburg, Duccio di Bouninsegne, Cimabue, Simone Martini (übernimmt französischen und italienischen zum internationalen Stil), Giotto di Bondone (Übergang zur Frührennaissance), Martin Schongauer, Konrad Witz. (Spätgotik im Übergang zur ars nova / Frührenaissance des Nordens)