Eine Konzeptstudie eröffnet die Möglichkeit, mit radikalen Ideen neue und bisher unkonventionelle Lösungsansätze zu visualisieren und zu überprüfen. In diesem Auftrag entwickelst du mit architektonischen Zeichnungen und einem 3D-Modell eine Konzeptstudie zu gesellschaftlichen Herausforderungen von heute.
Kompetenzen/ Ziele
- Entwicklung und Darstellung architektonischer Lösungen
- Sensibilisierung zum Thema Architektur in Bezug auf gesellschaftliche Herausforderungen und baukulturelle Fragen von heute
Input
- Aktuelle regionale und internationale Architekturprojekte kritisch begutachten und besprechen (The Line etc., 12 Städte der Zukunft, …)
- Architekturpläne und Visualisierungen besprechen
- Parallelprojektion und Punktperspektive
- Theorie und Übungen zum Modellbau
Auftrag
Im Fokus dieses Auftrags steht die zentrale Frage: „Kann Architektur die Probleme unserer Zeit lösen?“ Deine Aufgabe besteht darin, eine architektonische Konzeptstudie zu erstellen, die sich mit einer spezifischen baulichen Situation in unserer näheren Umgebung befasst. Wähle einen konkreten Ort aus und greife dabei zwei aktuelle architektonische Fragestellungen auf, für die du innovative Lösungsansätze entwickelst. In deiner Konzeptstudie wirst du mutige bis utopische Ideen entwickeln und diese ohne viel Worte anhand von Plänen, 2D-Visualisierungen und einem 3D-Modell visualisieren.
Vorbereitung
- Liste der gesellschaftlichen Herausforderungen und aktuellen Fragen an die Architektur von heute studieren, in der Klasse diskutieren, ergänzen sowie weitere eigene Gedanken und Recherchen machen.
- In der näheren Umgebung ein konkretes bestehendes Gebäude, eine Baulücke oder eine grössere architektonische Situation bestimmen, die aktuelle Herausforderungen aufgreift und Potenzial für eine mutige bis utopische architektonische Lösung bietet. (von dicht besiedeltem bis zu unbebautem Gebiet möglich)
- Mit Street View die Situation erkunden oder vor Ort besichtigen und soweit erlaubt fotografieren. Tipp für das Fotografieren: Kamera im Lot halten, um stürzende Linien zu vermeiden. Um das Gebäude oder die Situation herumgehen und fotografieren. Auch die Umgebung fotografieren. Bei Bedarf Innenaufnahmen machen.
- Online-Recherche zur Situation betreiben, Satellitenbilder und Pläne studieren (Relativ präzise Karten vom Bund, bei Bedarf Zeitreise, evtl. google Maps).
- Im Unterricht Pläne und Visualisierungen der Situation grob skizzieren, um diese besser zu verstehen, ins Thema einzusteigen und erste Ideen zu entwerfen.
Entwurf mit Bauplanelemente und Visualisierungen auf A3
- Pläne und Visualisierung werden zusammen auf ca. A3-Blatt dargestellt.
- Entwürfe linear und teils schraffiert mit Bleistift (evtl. Buntstift, Fineliner, …).
- Dem Bauvorhaben entsprechend geeignete Gesamt- und Teilansichten mit Planzeichnungen mit sachlichem Nutzen (Situationsplan, Grund-, Auf-, Seiten-Risse, Zwei- oder Drei-Tafelprojektionen, Fassadenzeichnungen, Schnitte, Schrägrisse …) und Visualisierungen mit wirklichkeitsnaher Wirkung (Ein-, Zwei-, Dreipunktperspektive in entsprechenden Ansichten aus der Frosch-, Normal oder Vogelperspektive, …).
- Fotos und Kartenmaterial dürfen verwendet werden. Bei Bedarf kann zur Vorarbeit mit Plastilin oder 3D-Materialien skizziert werden (fakultativ).
3D-Modell
- Das 3D-Modell ist ein Präsentationsmodell, das in Bezug auf Material und Verfahren zugunsten des spezifischen Themas experimentell sein darf. Materialien, Verfahren und Massstab sind dementsprechend zu wählen.
- Nützliche Fragen: Was passt ästhetisch und technisch zu meinem spezifischen Thema? Wie kann ich mein Modell abstrahieren/vereinfachen, um einen fokussierten Eindruck auf das Wesentliche der Studie zu vermitteln? Funktionen und Gadgets? Wie sollen Umgebung und Kontext darstellt werden? Wie gross, grob, schwer, stabil kann bzw. sollte das Modell sein? Hohlform oder Vollform? Wie kann es bewegt und transportiert werden? Handwerkliche Kapazität? Anspruch? Welches Verfahren und Material bringen mich zur Lösung? Wie organisiere ich mich?
Materialvorschläge für 3D-Modell
- Wellkarton, Graukarton oder Architekturkarton mit Weissleim, …
- Arbeiten mit Gips, z.B. auf Kern (XPS-Platten) spachteln, evtl. einfärben, oder in Negativform giessen, wie eine Skulptur schnitzen und feilen, …
- Holz, sagen, schleifen, kleben, schrauben, …
- Andere experimentelle Verfahren, Techniken und eigene Vorschläge (Mörtel giessen, „Erdwürfel“, Recyclingmaterial, …)
Vorgaben/Kriterien
- Bauplanelemente (1x): Auf-, Grund- , Schrägrisse, Schnitte, … müssen in Form, Proportion etc. räumlich nachvollziehbar und korrekt dargestellt sein.
- Visualisierungen (1x): Elemente in Fluchtpunktperspektive, … müssen nachvollziehbar, wirklichkeitsnahe und eindrücklich dargestellt sein.
- 3D-Modell (2x): Handwerklich herausfordernde und gekonnte Umsetzung, lesbare Architektur (Situation, Volumen, Formen, Elemente, Massstab…), zum Thema passende, abstrahierte Umsetzung (Materialwahl, Detailgrad…), eindrückliche gestalterische Umsetzung (Gestaltung, Einsatz…).
- Inhaltlich (2x): Architektonisch gekonnter Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderung (mutige, kreative, visionäre, smarte, tiefgründige Lösungen zu aktuellen Fragen) sowie in den Plänen und im Modell gestalterisch gekonnter, ohne viel Worte visuell lesbare, informative Umsetzung, auch für Externe (konkreter Ort bzw. Situation muss eindeutig und erkennbar sein, genauso die behandelten architektonischen bzw. gesellschaftlichen Fragen, Eingriff vorher/nachher visuell geschickt gelöst, ersichtlich, was, wo, wie neu, erweitert, renoviert ist).
- Gesamteindruck (Bonus/Malus): Einhaltung der Vorgaben, Unvorhersehbares und Gesamtpräsentation (Blatt ist mit seinen Teilen kompositorisch gut gestaltet, …)
Beitragsbild: Auschnitt Architekturmodelle aus dem Unterricht (c)
