Serie im Druck – Variation als Konzept

Serie im Druck – Variation als Konzept

In diesem Projekt untersuchst du die Möglichkeiten der Druckgrafik als ästhetische Forschung: Durch Wiederholung, Variation und technische Entscheidungen entwickelst du eine eigenständige experimentelle Druckserie.

Lernziele/ Kompetenzen

  • Ein Druckverfahren gezielt einsetzen (Hoch-, Tief-, Flach-, Durchdruck)
  • Serie als künstlerisches Prinzip verstehen (Wiederholung vs. Variation)
  • Mehrstufige Druckprozesse planen (Reihenfolge, Farbe, Passung)
  • Linie, Fläche, Textur und Negativform bewusst gestalten
  • Druckgrafik und neuere Medien im Spannungsfeld von Original und Reproduktion reflektieren

Vorübung/ Vorkenntnisse

  • Kleine Druckexperimente (Monotypie/ einfache Druckform)
  • Übungen zu Positiv-/ Negativform, grafischer Reduktion
  • Auseinandersetzung mit künstlerischen Positionen zum Thema Original, Kopie, Serie und Reproduktion (z.B. Dürer, Hokusai, Warhol, Sherrie Levine, Hito Steyerl, Refik Anadol, NFT-Themen von Beeple)
  • Diskussion Walter Benjamins zentrale These in Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936). Benjamin meinte, technische Reproduktion schwäche die Aura des Originals (Einmaligkeit, Ortsbindung, Präsenz). Was hat das mit heute noch zu tun? Gilt das heute noch, obwohl digitale Bilder unendlich kopierbar sind und gleichzeitig NFTs, KI-Bilder oder Social-Media-Profile neue Formen von Originalität erzeugen? Können oder müssen wir heute vielleicht den Begriff „Original“ neu definieren? Oder wie müssen wir heute damit umgehen?

Auftrag

Entwickle eine Druckserie (3–6 Blätter) zu einem eigenen Thema. Ausgangspunkt ist ein visuelles Konzept (z. B. Thema, ikonographische Idee), das du in eine grafisch Form übersetzt (gegenständlich bis abstrakt). Arbeite mit einer Druckform, einem experimentellen oder kombinierten Drucksystem und untersuche:

  • Wie verändert sich ein Motiv durch Variation?
  • Welche Wirkung entsteht durch Farbe, Überlagerung oder Reihenfolge?
  • Wie kannst du mit Positiv-/Negativform, Textur oder Duktus arbeiten?

Die Serie soll Zusammenhang zeigen, aber bewusste Unterschiede enthalten. Dokumentiere deinen Prozess in einer Mappe (Ideen, Skizzen, kommentierte Entwürfe, Varianten, Entscheidungen und die definitive signierte Druckserie).

Kriterien

Serie und Konzept (2x)

  • Thema/ Ikonographische Idee ist mit Variation innerhalb einer zusammenhängenden Serie erkennbar und virtuose umgesetzt
  • Sichtbar bewusster Umgang mit Wiederholung, Veränderung, Bildlogik

Drucktechnische Umsetzung

  • Gezielter Einsatz von Druckverfahren, Farbe, Passung oder Überlagerung
  • Sichtbare Auseinandersetzung mit Linie, Fläche, Textur und Negativform
  • Experimentelle Ansätze mit Mut und zugleich Präzision, Sorgfalt und Konsequenz

Prozess / Reflexion

  • Dokumentation zeigt Entwicklung mit kurz aber fachlich präzise kommentierten visuellen Extrakten (zum Thema prozessorientierte spielerische Varianten, zielorientierte inhärente Entscheidungen und zweckorientierter individueller sowie adäquater Qualitätsanspruch)
  • Kurze Reflexion: Was ist hier Original? Was ist Variation? (1-2 Sätze)

Bonus / Malus

  • Einhaltung der Vorgaben, Eigenständigkeit, Unerwartetes

Material

Je nach Verfahren, z. B.: Linol, Holz, Kupferplatte, Sieb, Glas oder andere experimentelle Druckträger, entsprechende Druckfarbe (oder ohne Farbe mit Prägedruck), Werkzeuge wie Schneidewerkzeuge, Walzen, Presse etc., Papier, Textilien oder andere experimentelle Bildträger, Dokumentation mit bildnerischen Extrakten, Recherchematerialen und (kurze aber fachlich präzise) Textteile


Beitragsbilder: Frauen am Potsdamer Platz Holzschnitt, Ernst Ludwig Kirchner, 1914, zwei Varianten Galerie Kornfeld Verlag und Kettererkunst (gemeinfrei via wikipedia)

Veröffentlicht im

in

von

Schlagwörter: