In diesem Projekt wird mit Keramik Apérogeschirr entworfen und umgesetzt. Ein Gastbeitrag von Noé Freuler (Insta) und von Salome Stadler.
Ziele/ Kompetenzen
- Form: Die Lernenden sind in der Lage, funktionale und interessante Formen zu entwickeln, die das Apérogericht optimal zur Geltung bringen und einen Bezug zwischen Geschirr und Inhalt herstellen.
- Technik: Die Lernenden können verschiedene Handaufbautechniken (Pinchen, Platten- und Wulsttechnik) gezielt anwenden, um ein gleichmässiges und sorgfältig ausgearbeitetes Keramikobjekt zu erstellen.
- Prozess: Die Lernenden dokumentieren eigenständig ihren gestalterischen Prozess, reflektieren ihre Entscheidungen und setzen den Arbeitsprozess fristgerecht um.
Vorkenntnisse/ Vorübungen
- Theorie: keramischer Prozess/ Ton-Zyklus und Material Ton/ Keramik
- Formfindung: Die Lernenden haben die Grundlagen, ein dreidimensionales Gefäss zeichnerisch zu skizzieren und wissen, wie sie ihren Prozess im Skizzenbuch festhalten können
- Formgebung: Einführung in die Handaufbautechniken Pinchen, Platten– und Wulsttechnik
Auftrag
In diesem Projekt entwerfen wir ein Apérogeschirr oder -set. Die Formgebung steht dabei im Mittelpunkt und soll sich im Design auf das darauf platzierte Essen beziehen. Dies bedeutet, dass ihr euch für mindestens drei Apéro-Lebensmittel wie Oliven, Chips, Antipasti, Aufstriche, … entscheidet und spezifisch für diese geeignete Formen entwickelt. Wie kannst du den Apéro am besten zur Geltung bringen? Erzählt deine Form des Geschirrs etwas über den Inhalt? Welche Grössenverhältnisse sind stimmig? Funktioniert deine Form auch in der Praxis? Braucht es mehrere Gefässe oder hat alles auf einem Platz? Möchtest du eine schlichte, geometrische oder doch eine organische Form?
Wir arbeiten mit verschiedenen Hand-Aufbautechniken wie dem Pinchen, der Platten- oder Würstlitechnik, wobei ihr frei entschieden könnt, welche Technik für euer Design am geeignetsten ist. Das Keramikobjekt wird transparent glasiert, beurteilt wird das Geschirr jedoch nach dem Rohbrand. Zudem relevant ist das Dokumentieren deines Herstellungsprozesses, in diesem du deine Fortschritte, Probleme und Entscheidungen aufzeigst. Im Anschluss an das Projekt reflektierst du deinen keramischen Prozess anhand folgender Fragen ins Skizzenbuch:
- Wie ist dir das Arbeiten mit dem Werkstoff Ton ergangen?
- Was ist dir Gelungen, wo hattest du Schwierigkeiten?
- Wie gut passt dein Geschirr zum Apéro?
- Konntest du das Geplante umsetzen?
Vorgehen
- Während allen Phasen: Prozess mit Skizzen, Fotos und Text dokumentieren.
Entwurf (Ton und Zeichnung):
- Auswahl von mindestens drei Apéro-Lebensmitteln und deren spezifische Anforderungen (Grössenverhältnisse, Form) bestimmen.
- Erste Skizzen mit Bleistift und in Ton, Wahl einer Aufbautechnik.
- Grundplatte/ Form aus Papier ausschneiden 1:1 Grösse des Objektes, Schwindung kontrollieren.
Umsetzung
- Umsetzung des geplanten Gefässes mit der gewählten Aufbautechnik, allenfalls justieren und anpassen, auf einheitliche Materialstärke achten.
- Lagern: Zwischenstände auf Zeitung und Eternitplatte lagern, möglichst luftdicht in Plastiksack einpacken, ggf. in feuchtem Lappen einhüllen (sofern an bestimmter Stelle weitergearbeitet oder angesetzt wird).
- Finalisierung und Feinarbeit Oberfläche: Auf ebenmässige Oberfläche achten, ungewollte Unebenheiten ausbessern.
Trocknen
- Objekte auf frischer Zeitung und auf Lochblech zum trocknen auslegen, sofern noch sehr feucht, in Plastiksack einhüllen, damit es langsam trocknet. Trocknungszeit: ca. 2 Wochen.
Vorbrand
- Rohbrand der getrockneten Objekte bei einer der Tonart entsprechenden Temperatur.
Hochbrand
- Vorgebranntes Objekt mit leicht feuchtem Schwamm «abstauben».
- Glasur anmischen und in mehreren Schichten auftragen (je nach Glasur).
- Brennen der Objekte bei erhöhter Temperatur entsprechend den Temperaturangaben.
Apéro geniessen!
- Nun kann in der Klasse ein Apéro aus den selbstgemachten Formen genossen werden!
Kriterien
Form
- Formgebung und Funktion des Geschirrs stehen in einem spannenden Verhältnis, nehmen Bezug auf den Apéro darin
- Gesamteindruck und «Komposition», formale Gemeinsamkeiten (falls mehrteilig)
Technik
- Handwerk: Gleichmässige und sorgfältige Ausarbeitung (bspw. einheitliche Materialstärke), bewusste Oberflächengestaltung, klare Kanten und Böden/ Füsse/ Abschlüsse
- Sinnvoller Umgang mit Material Ton; gewählte Technik unterstützt das gestalterische Vorhaben
Originalität und Eigenständigkeit
- Einzigartigkeit des entworfenen Apérogeschirrs, individueller Stil
- Eigenständige Verbindung von Lebensmittel und Form
Prozess
- Vollständigkeit und Qualität der skizzierten Entwürfe im Vorfeld
- Einhaltung von Zeitvorgaben und Arbeitsaufwand
- Im Skizzenbuch ist der Designprozess nachvollziehbar
- Die Produkte entsprechen den Überlegungen, Abweichungen von der Planung werden in der Reflexion schriftlich begründet
Material
- Ton: bspw. Bodmer 128CHF, davon selbsthergestellter Schlicker
- transparente Glasur (Streichglasur oder sonst mit Glasurleim binden), Glasurpinsel
- allg. Ton-Werkzeuge (Must-Haves: Schwamm, Wasserbecken, Messer, Wallholz)
- Skizzenheft, Bleistift, Skizzenpapier A3
- Apéro deiner Wahl
Beitragsbild: Stillleben mit Käse, Früchten u. a., Floris van Dyck, ca. 1615, Rijksmuseum, Amsterdam (gemeinfrei via wm)
