{"id":9630,"date":"2025-02-02T14:12:23","date_gmt":"2025-02-02T14:12:23","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/?p=9630"},"modified":"2025-02-24T10:51:55","modified_gmt":"2025-02-24T10:51:55","slug":"arbeiten-mit-keramik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/arbeiten-mit-keramik\/","title":{"rendered":"Arbeiten mit Keramik"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Leitfaden f\u00fchrt in das Arbeiten mit Keramik im Kunst und Designbereich ein und erschliesst handwerkliche Aspekte. (Beitrag in Arbeit)<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">A) Anwendungsbereich<\/h3>\n\n\n\n<p>Keramik ist ein \u00e4usserst vielseitiges Material, das f\u00fcr eine Vielzahl von k\u00fcnstlerischen Anwendungen genutzt wird, darunter Skulpturen (subtraktives Arbeiten aus Tonbl\u00f6cken), Plastiken (additives Arbeiten inkl. Gusstechniken) und T\u00f6pferwaren (Drehen und Formen).<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcnstlerische Keramik kommt in Disziplinen wie Architektur, Produktdesign, Bildende Kunst, Arch\u00e4ologie oder auch Ingenieurwissenschaften zum Einsatz &#8211; abgesehen von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Technische_Keramik\">technischen Keramik<\/a> in der industriellen Anwendung. Die Kulturgeschichte der Keramiknutzung reicht weit zur\u00fcck. Seit \u00fcber 27&#8217;000 Jahren wird Ton f\u00fcr k\u00fcnstlerische Zwecke genutzt, und als Baumaterial ist er seit der Jungsteinzeit im Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">B) Material und Werkzeug<\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ausgangsmaterial<\/h4>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klassifikation_keramischer_Massen\">Keramische Massen<\/a><\/strong>&nbsp;(<a href=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/modellieren-nur-das-wichtigste\/\">Ton<\/a>&nbsp;etc.) &#8211; die Bezeichnungen k\u00f6nnen je nach Werkstatt variieren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Sinterzeug<\/strong>\u00a0(sintern = &#8222;zusammenbacken&#8220;, wird mit Brand wasserdicht)\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Porzellan: 1200-1500\u00b0C, weiss, feink\u00f6rnig, transluzent, dicht und klingt hell<\/li>\n\n\n\n<li>Steinzeug: 1200-1300\u00b0C, grau\/ cremefarbig\/ braun, teils gesprenkelt, dicht, stark<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Irdengut<\/strong>\u00a0(irden = &#8222;aus Erde gemacht&#8220;, nur mit Brand und Glasur wasserdicht)\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Steingut: ca. 1050-1150\u00b0C, weiss\/ cremefarbig\/ hellgrau, dicht und klingt hell<\/li>\n\n\n\n<li>H-Ton (schamottierte Terrakotta): ca. 900-1050\u00b0C, rot (erh\u00f6hter Eisenanteil)<\/li>\n\n\n\n<li>G-Ton (Feinton): ca. 900-1050\u00b0C, weiss bis hellgrau, eher dicht<\/li>\n\n\n\n<li>Raku-Ton: 800-1000\u00b0C, Farbe\/ Textur variieren stark, por\u00f6s und klingt dumpf <\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Zust\u00e4nde keramischer Massen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Schlicker (fl\u00fcssig bis sahnig als Giessmittel, Bindemittel oder zur Dekoration)<\/li>\n\n\n\n<li>Plastisch (klassischer Zustand zum Modellieren\/ Verformen)<\/li>\n\n\n\n<li>Lederhart (noch feucht aber nicht mehr plastisch sonder hart wie Leder)<\/li>\n\n\n\n<li>Frisch engobiert (lederharte Masse mit schlickartigem F\u00e4rbemittel bemalen)<\/li>\n\n\n\n<li>Gr\u00fcnware (knochentrocken und sehr zerbrechlicher Zustand)<\/li>\n\n\n\n<li>Biskuit\/ Schr\u00fchware (nach Rohbrand bei niedrigen Temperaturen, noch nicht versiegelt)<\/li>\n\n\n\n<li>Glasurrohware (nach Rohbrand frisch mit farbiger oder transparenter Glasur bemalen)<\/li>\n\n\n\n<li>Keramik (nach zweitem noch heisserem Glasurbrand f\u00fcr versiegelte oder ohne Glasur direkt nach Einbrand f\u00fcr matte und nichtversiegelte Oberfl\u00e4che)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Weiteres<\/strong>: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Schamotte<\/strong> (alle Massen k\u00f6nnen schamottiert werden, d.h. mit bereits gebranntem, gemahlenem Ton versetzt werden, um die Schwindung und Spannungen beim Trocknen und Brennen zu verringern, verlieren aber an Dichte, Plastizit\u00e4t und Gl\u00e4tte)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Engobe<\/strong> (F\u00e4rbemittel aus Mineralfarben und Schlicker meist aus derselben Masse des Objekts, das im lederhartem Zustand aufgetragen und mit dem Rohbrand gefestigt wird)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Glasur<\/strong> (&#8222;fl\u00fcssiges Glas&#8220;, das auf die Schr\u00fchware aufgetragen wird und im Glasurbrand mit dem Objekt verschmilzt und die Tonware transparent, mit Farbe oder verschiedenen Oberfl\u00e4chen versiegelt)<\/li>\n\n\n\n<li>Paperclay (zur einfacheren Bearbeitung mit Papierfasern versetzt)<\/li>\n\n\n\n<li>Klinkerton (Steingut mit Sinterung)<\/li>\n\n\n\n<li>&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Grundausr\u00fcstung<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Arbeitsfl\u00e4che<\/strong>: Glatte Tischplatte oder Kunststofftischdecke, evtl. R\u00e4derscheibe (T\u00f6pferscheibe) oder andere harte Unterlage (z.B. altes Holzbrett)<\/li>\n\n\n\n<li>Schneidedraht, feuchter Lappen, Schw\u00e4mme, kleines Wasserbecken zum Benetzen und gr\u00f6sseres Wasserbecken zum Sp\u00fclen der Werkzeuge (von ca. 30cm x 30cm)<\/li>\n\n\n\n<li>Plastikfolie bzw. luftdichte H\u00fcllen zum Feuchthalten und kotrollierten Trocknen<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Eigener Brennofen<\/strong> oder externe Keramik-Werkstatt, zum Brennen der Objekte <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Weiterer Bedarf f\u00fcr spezifische Verfahren<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verformen: Modellierh\u00f6lzer, Paddel und andere H\u00f6lzer (rund, flach, &#8230;)<\/li>\n\n\n\n<li>Schnitzen (subtraktive Bearbeitung): Messer, Stahlbandschlinge<\/li>\n\n\n\n<li>Plattenproduktion: Paddel oder Wallholz, Bl\u00e4tterst\u00e4be (Holzleisten) sowie Baumwolltuch<\/li>\n\n\n\n<li>Oberfl\u00e4chenbehandlung: L\u00f6ffel, Nadel, Strukturwerkzeug, Ziehklinge, Rundschaber<\/li>\n\n\n\n<li>Verbinden oder auftragen feiner Reliefs: Schlicker, verschliessbare Schale und Pinsel<\/li>\n\n\n\n<li>Bemalen: Engobe, verschliessbare Schale und Pinsel<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">C) Arbeitsprozess<\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vorbereitung<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Evtl. Produktion von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6fiWFcBwBwU&amp;list=PLvpG82UYzw4F4drqejbByU8-GMWGwQMxm&amp;index=2\">Schlicker<\/a> zum Verbinden oder Dekorieren<\/li>\n\n\n\n<li>Evtl. Vorbereiten der Engobe zum sp\u00e4teren Einf\u00e4rben (auf lederhart)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bearbeitung<\/h4>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLvpG82UYzw4EP_qSsph94gh8emJrxu_Fr\">Formgebungsverfahren<\/a><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vplJjwVd_XQ&amp;list=PLvpG82UYzw4EP_qSsph94gh8emJrxu_Fr&amp;index=2\">Pinchen<\/a> (mit Finger zum Verformen zusammendr\u00fccken und verschieben)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4bJzsxCmyq4&amp;list=PLvpG82UYzw4EP_qSsph94gh8emJrxu_Fr&amp;index=1\">Schnitzen<\/a> (mit Schnitzmesser, Schlingen und Ziehklingen im lederharten Zustand) <\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IAr-EeLBvKk&amp;list=PLvpG82UYzw4EP_qSsph94gh8emJrxu_Fr&amp;index=4\">Plattentechnik<\/a> (zur Vorbereitung gemagerter (schamottierter) Ton <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-4gK4SRI2A0&amp;list=PLvpG82UYzw4F4drqejbByU8-GMWGwQMxm&amp;index=1\">Auswallen<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Garnitur (Henkel, Verzierungen etc.) mit Schlicker sp\u00e4testens bei lederhart anbringen<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6qAvQiCxad4&amp;list=PLvpG82UYzw4EP_qSsph94gh8emJrxu_Fr&amp;index=3\">W\u00fclsten<\/a> (W\u00fclste in Bodendicke vorbereiten und mit feuchtem Tuch bedecken)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2YOly1DpbEY&amp;list=PLvpG82UYzw4EP_qSsph94gh8emJrxu_Fr&amp;index=6\">\u00dcberformen<\/a> (mit Gipskern auf R\u00e4derscheibe)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eRMDxNF36_g&amp;list=PLvpG82UYzw4F4drqejbByU8-GMWGwQMxm&amp;index=4\">Giessen<\/a> (von der Urform zur Giessform aus Gips f\u00fcr Schlickerguss, Handguss, &#8230;)<\/li>\n\n\n\n<li>&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Oberfl\u00e4chenbehandlung<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Polieren (mit L\u00f6ffel, Polierstein oder Holz im lederharten Zustand kreisf\u00f6rmig reiben)<\/li>\n\n\n\n<li>Strukturen anbringen (B\u00fcrsten, Abziehklingen mit diversen Formen etc.)<\/li>\n\n\n\n<li>Engobieren (Einf\u00e4rbung mit Mineralfarben in sahnigem Schlicker = Engobe)<\/li>\n\n\n\n<li>Sgraffito (wenn die Engobe nicht mehr gl\u00e4nzt, jedoch das Objekt noch im lederhartem Zustand ist, oberste Farbschicht wegkratzen)<\/li>\n\n\n\n<li>Auswaschen<\/li>\n\n\n\n<li>&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Kontrolliert feucht halten oder trocknen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Feucht halten<\/strong>: Zur Weiterbearbeitung Objekt in einem geschlossenen Plastikbeutel mit feuchtem (nicht nassem) Lappen einpacken.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Trocknen<\/strong>: Langsame und insbesondere gleichm\u00e4ssige Trocknung des Objekts mit \u00fcberdeckten Plastikfolien immer wieder \u00f6ffnen und schliessen, Objekt vorsichtig wenden, bis die Masse nicht mehr feucht richt oder k\u00fchler als der Raum ist, danach vor dem Brennen sicherheitshalber noch einige Tage stehen lassen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Brand<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Rohbrand<\/strong>: Brenntemperatur und Vorgehen gem\u00e4ss Anleitung zum Produkt. Nur knochentrockene Objekte brennen, Ofen langsam bis 600\u00b0C aufheizen (Quarzsprung bei ca. 573\u00b0C). Im ersten Brand Objekte direkt aufeinander, kleinere Objekt oben stapeln.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Glasurbrand<\/strong>: Brenntemperatur und Vorgehen gem\u00e4ss Anleitung zum Produkt. Objekte nur unter 1150\u00b0C auf Dreif\u00fcsse stellen, sonst direkt auf Brennplatte. Erh\u00f6hte Brennplatte und Abstand zwischen den Objekten f\u00fcr eine gute Luftzirkulation. Objekte mit Brennplatte in Etagen und etwas Luft, kleinere Objekt oben stapeln.<\/li>\n\n\n\n<li>Oder direkt mit Einbrand<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Aufr\u00e4umen<\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Getrocknete Tonresten vom Tisch mit Spachtel grob abziehen und evtl. f\u00fcr Produktion von Schlecker sammeln. Tischfl\u00e4che nun mit trockenen Lumpen abwischen, bevor diese schliesslich feucht aufgenommen wird.<\/li>\n\n\n\n<li>Werkzeuge wie Raspeln und Feilen trocken abb\u00fcrsten und ausblasen<\/li>\n\n\n\n<li>Wasserfeste Werkzeuge sowie tonverschmierte H\u00e4nde im Wasserbecken mit stehendem Wasser auswaschen, bevor diese unter dem fliessenden Wasser abgewaschen werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Wasserbecken 10 min stehen lassen (der Ton senkt sich)<\/li>\n\n\n\n<li>Wasser vorsichtig bis zum Tonfond ablaufen lassen<\/li>\n\n\n\n<li>Tonfond z.B. mit Kartonresten aus dem Becken ausschaben und entsorgen (geringe Mengen k\u00f6nnen in den Restm\u00fcll, grosse Mengen m\u00fcssen fachgerecht entsorgt werden)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Links<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Keramikwerkstatt &#8211; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@keramikwerkstattzhdk2749\/playlists\">ZHdK-Videos<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>T\u00f6pfern, ein kurzer Leitfaden &#8211; <a href=\"https:\/\/keramikbedarf.ch\/anleitungen\/toepfern-ein-kurzer-leitfaden\">Michel Keramikbedarf<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:70px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Beitragsbild: Unterrichtsexperimente mit Keramik (<a href=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/impressum\/\">cc nc nd<\/a>)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Leitfaden f\u00fchrt in das Arbeiten mit Keramik im Kunst und Designbereich ein und erschliesst handwerkliche Aspekte. 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