{"id":80,"date":"2007-03-21T14:40:08","date_gmt":"2007-03-21T14:40:08","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/2007\/03\/21\/gestaltungsmittel-der-fotografie\/"},"modified":"2024-03-14T23:14:50","modified_gmt":"2024-03-14T23:14:50","slug":"gestaltungsmittel-der-fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/gestaltungsmittel-der-fotografie\/","title":{"rendered":"Gestaltungsmittel der Fotografie"},"content":{"rendered":"\n<p>Falls man als BesitzerIn einer stolzen Kamera den Anspruch hat, selbst die Fotografie zu machen und nicht wie der Knipser vom Apparat gesteuert zu werden, ist es hilfreich, sich mit den Gestaltungsmittel der Fotografie auseinanderzusetzen. Die wichtigsten Gestaltungsmittel werden hier grob vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Komposition&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bildraum&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Bildraum kann grob in Vorder-, Mittel- und Hintergrund eingeteilt werden. Will man ein starke Raumtiefe und somit Wirklichkeitsn\u00e4he erzeugen, sollten in jede Bildebene &#8211; also in Vorder-, Mittel- und Hintergrund &#8211; Objekte platziert bzw. der Standort dementsprechend gew\u00e4hlt werden. Will man dagegen eine flache und ornamentale Darstellung z.B. um dekorativ oder plakativ zu arbeiten, ist es teils hilfreich, alles in einer einzigne Raumebene zu platzieren. Somit l\u00e4sst sich auch gut mit Muster und Strukturen arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Komposition ist es des Weitern wesentlich, welche perspektivische Ansicht man als Fotograf einnimmt. Durch die Wahl von Augenh\u00f6he (z.B. 50 cm, 2 oder 3 m \u00fcber dem Boden) und Blickwinkel (Vogel-, Normal- und Froschperspektive) steuert man die Wirkung, die das Foto erzielen wird. Denn der zuk\u00fcnftige Betrachter des Fotos nimmt beim Betrachten des Bildes wortw\u00f6rtlichen den Standpunkt des Fotografen ein. Will man z.B. einen &#8222;ebenw\u00fcrdigen&#8220; Dialog mit Kindern aufnehmen, ist es deshalb ratsam, bei der Aufnahme in die Knie zu gehen und in der Normalperspektive zu fotografieren. Und um eine \u00dcbersicht zu gewinnen oder das hektische Treiben in einer Menschenmenge festzuhalten, kann man sich auf eine Bank stellen und nach unten gerichtet, also in der Vogelperspektive fotografieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch eine Standpunktver\u00e4nderung des Fotografen nach links oder rechts l\u00e4sst sich zudem die Anordnung der Figuren und Objekte in der Horizontalen \u00e4ndern um, z.B. eine Figur im Bild von der Gruppe frei zu stellen oder mit einem Gegenstand eine Figur zu \u00fcberdecken. Damit sind wir beim Thema der Bildfl\u00e4che angelangt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Thetwowaysoflife.jpg#\/media\/File:Thetwowaysoflife.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"259\" src=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1857_Rejlander_Thetwowaysoflife.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1741\" style=\"width:646px;height:335px\" srcset=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1857_Rejlander_Thetwowaysoflife.jpg 500w, https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1857_Rejlander_Thetwowaysoflife-300x155.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die zwei Lebenswege (1857) von Oscar Gustave Rejlander, der mit Inszenierung, einer aufwendigen Fotomontage und Retusche bereits wenige Jahre nach der Bekanntgabe der Fotografie einen Grossteil der Gestaltungsmittel der Malerei f\u00fcr die Fotografie adaptieren konnte, abgesehen von Farbe, Duktus etc. (Repro gemeinfrei von Wikipedia)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bildfl\u00e4che<\/h3>\n\n\n\n<p>Oftmals wird von Laien das fotografische Sujet in die Bildmitte gesetzt. Dadurch wirkt jedoch das Bild oftmals statisch und langweilig, was nicht unbedingt erw\u00fcnscht ist. Um mehr Dynamik im Bild zu erhalten und beim sp\u00e4teren Betrachter des Bildes Aufmerksamkeit zu erzeugen, kann die Technik der Bilddrittelung eingesetzt werden. Bei der Technik der Bilddrittelung platziert man eines der vier Fadenkreuze auf das Sujet, die durch die zwei Horizontalen und zwei Vertikalen der Bilddrittelung entstehen. Es ist ebenfalls m\u00f6glich, eine Gerade wie z.B. der Horizont, der einen markanten Fl\u00e4chenwechsel darstellt, z.B. auf die H\u00f6he der unteren Bilddrittelung zu setzen, sodass eine interessante Wolkenformation 2\/3 der Bildfl\u00e4che einnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings gibt es weit mehr als nur die M\u00f6glichkeit der Bilddrittelung. Es l\u00e4sst sich auch mit Diagonalen und anderen Elementen arbeiten. Manchmal kommt man durch das Experimentieren mit Symmetrien, Rhythmen oder Formanalogien auf interessante Resultate, was nicht nur die Aufmerksamkeit des zuk\u00fcnftigen Betrachters wecken kann, sonder womit auch interessante inhaltliche Anreize und Denkanst\u00f6sse erzielt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Bildrand ist ein besonderes Augenmerk zu legen. Dabei ist zu achten, welchen Bezug die Sujets zum Bildrand einnimmt. Besteht noch ausreichend Platz oder sogar zuviel Platz? Scheint der Bildrand das Sujet fast zu ber\u00fchren und deshalb vielleicht einen unangenehmen Druck oder Sog auszu\u00fcben? Oder wird es angeschnitten und erh\u00e4lt dadurch einen weiterf\u00fchrenden Raum?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Anne_Biermann_eier.jpg#\/media\/File:Anne_Biermann_eier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"419\" src=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1930ca_Anne_Biermann_eier_pd-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1742\" style=\"width:645px;height:450px\" srcset=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1930ca_Anne_Biermann_eier_pd-1.jpg 600w, https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1930ca_Anne_Biermann_eier_pd-1-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eier (etwa 1930) von Aenne Biermann, die hier intensiv mit Licht, Abstraktion und Komposition der Bildfl\u00e4che spielt (Repro gemeinfrei von Wikimedia Commons)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Licht und Farbe<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Licht ist ein wichtiges Gestaltungsmittel der Fotografie. Einerseits kann mit Licht die Blickbewegung des Bildbetrachters gef\u00fchrt werden. Der Betrachter eines Bildes richtet seinen Blick in der Regel oft an die Bildstelle mit dem gr\u00f6ssten Helldunkel-Unterschied, um von da aus weitere Stellen im Bild zu erkunden und immer wieder auf die Stelle mit dem gr\u00f6ssten Helldunkel-Kontrast zur\u00fcck zu springen (Stichwort: Fixation und Sakkadenspr\u00fcnge).<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter kann das Licht als erz\u00e4hlerisches Element eingesetzt werden, indem verschiedene Elemente im Bild beleuchtet und somit zusammengef\u00fchrt werden und andere im Dunkeln verschwinden. Je nach Seiten-, Ober-, Unter- oder Gegenlicht sowie weichem oder hartem Licht lassen sich sachliche oder theatralische Situationen inszenieren. Auch mit einem Farbstich und der damit verbundenen Farbwirkung l\u00e4sst sich eine Stimmung einer Situation im Bild erzeugen, was zum wesentlichen Gehalt eines Bildes beitragen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits l\u00e4sst sich mit dem vorhandenen Licht arbeiten (aviable Light Fotografie) oder mit k\u00fcnstlichem Licht, wie Lampen und Blitzger\u00e4te, die direkt oder indirekt via Wand oder Reflektoren, pr\u00e4zise gesteuert werden. In der Amateurfotografie sind nebst der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/High_Dynamic_Range_Image\">Hochkontrastfotografie (HDR)<\/a> gerade die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Low-key-Fotografie\">Low-key<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/High-key-Fotografie\">High-key-Photographie<\/a> beliebt, in der dunkle bzw. helle Farbt\u00f6ne vorherrschen. Um in der Fotografie die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten mit Licht aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen, gilt es &#8211; nebst der Auseinandersetzung mit den Einstellungsm\u00f6glichkeiten von Blende und Verschluss &#8211; sich mit Stativen, Empfindlichkeit (ISO) und Weissabgleich zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sch\u00e4rfe<\/h2>\n\n\n\n<p>Nicht jedes Bild muss zwingend scharf sein. Denn mit Unsch\u00e4rfe l\u00e4sst sich im Bild viel gestalten und erz\u00e4hlen. Man unterscheidet Tiefensch\u00e4rfe (bzw. Tiefenunsch\u00e4rfe), Bewegungsunsch\u00e4rfe und Verwacklungsunsch\u00e4rfe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Sir_John_Herschel_with_Cap_by_Julia_Margaret_Cameron_(detail).jpg#\/media\/File:Sir_John_Herschel_with_Cap_by_Julia_Margaret_Cameron_(detail).jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"954\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1867_J-M-Cameron_Sir_John_Herschel_with_Cap_detail-954x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1743\" srcset=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1867_J-M-Cameron_Sir_John_Herschel_with_Cap_detail-954x1024.jpg 954w, https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1867_J-M-Cameron_Sir_John_Herschel_with_Cap_detail-279x300.jpg 279w, https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1867_J-M-Cameron_Sir_John_Herschel_with_Cap_detail-768x824.jpg 768w, https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1867_J-M-Cameron_Sir_John_Herschel_with_Cap_detail-1431x1536.jpg 1431w, https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1867_J-M-Cameron_Sir_John_Herschel_with_Cap_detail-1908x2048.jpg 1908w, https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/1867_J-M-Cameron_Sir_John_Herschel_with_Cap_detail.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 954px) 100vw, 954px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sir John Herschel (1867) von Julia Margaret Cameron, die mit Low-key und bereits sehr fr\u00fch bewusst mit Unsch\u00e4rfe als Gestaltungsmittel experimentiert (Repro gemeinfrei von Wikimedia Commons)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tiefensch\u00e4rfe<\/h3>\n\n\n\n<p>Durch eine geringe Sch\u00e4rfentiefe kann z.B. ein scharf gezeichnetes Gesicht oder ein Objekt durch einen unscharfen Hintergrund abgegrenzt werden und an Wichtigkeit gewinnen. Eine geringe Sch\u00e4rfentiefe erh\u00e4lt man erstens durch das Arbeiten im Telebereich (grosse Brennweite z.B. 80 mm &#8211; evtl. mit Stativ) und zweitens durch eine grosse bzw. m\u00f6glichst offene Blende (tiefe Blendenzahl z.B. 2.8 &#8211; in der Blendenautomatik). Im Gegensatz wird f\u00fcr eine grosse Sch\u00e4rfentiefe, also dann, wenn alles scharf sein soll wie bei klassischen Landschaftsbildern, eine kleine Blende und ein Weitwinkelobjektiv benutzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewegungsunsch\u00e4rfe<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Fotografie ist zwar ein Standbild. Doch durch Bewegungsunsch\u00e4rfe k\u00f6nnen Personen und Objekte oder die Umgebung unscharf und somit dynamisch gestaltet werden. Dazu muss der Verschluss l\u00e4nger ge\u00f6ffnet sein, als die erw\u00fcnschte Bewegungsphase dauert (lange Belichtungszeit z.B. 1\/30 Sekunde f\u00fcr eine schnelle Handbewegung &#8211; in der Zeitautomatik). Durch eine statische Kamera l\u00e4sst sich somit das Sujet in Bewegung darstellen (Tipp: manueller Fokus benutzen).&nbsp; Und durch das Mitschwenken der Kamera wirkt die Umgebung dynamisch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verwacklungsunsch\u00e4rfe<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zum Kunstbereich ist die Verwacklungsunsch\u00e4rfe im Amateurbereich und der professionellen Fotografie weniger verbreitet und in der Knipserfotografie sogar verp\u00f6nt. Allerdings l\u00e4sst sich auch hiermit viel gestalten. So erz\u00e4hlt ein verwackeltes Bild einiges \u00fcber seine Entstehung und die Sicht auf das Sujet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Falls man als BesitzerIn einer stolzen Kamera den Anspruch hat, selbst die Fotografie zu machen und nicht wie der Knipser vom Apparat gesteuert zu werden, ist es hilfreich, sich mit den Gestaltungsmittel der Fotografie auseinanderzusetzen. 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