{"id":488,"date":"2013-05-24T15:24:26","date_gmt":"2013-05-24T15:24:26","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/2013\/05\/24\/ein-enzyklopaedischer-palast-steht-kopf\/"},"modified":"2023-06-14T21:29:18","modified_gmt":"2023-06-14T21:29:18","slug":"ein-enzyklopaedischer-palast-steht-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/ein-enzyklopaedischer-palast-steht-kopf\/","title":{"rendered":"Der enzyklop\u00e4dische Palast steht Kopf (Trickfilm)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Auftrag befasst sich mit dem Medium Trickfilm. In Anlehung an die Biennale von Venedig 2013 mit dem Thema &#8222;der enzyklop\u00e4dische Palast&#8220; soll pro Sch\u00fclerIn eine Trickfilm-Einblendung gezeichnet werden. Diese Einblendungen pr\u00e4sentieren &#8222;enzyklop\u00e4dische Gegenst\u00e4nde&#8220; wie &#8222;Das Licht&#8220;, &#8222;Der Himmel&#8220;, &#8222;Der Farn&#8220;, &#8222;Der Fixstern&#8220;, &#8222;Die Prokaryonten&#8220;, &#8222;Die Schlange&#8220;\u00a0 oder &#8222;der Stuhl&#8220;, die dann im Spiel mit dem radikalen Konstruktivismus auf eigent\u00fcmliche Weise neu erkl\u00e4rt werden sollen. In der Klasse entsteht somit ein autopoietischer Film mit fl\u00fcchtigen, vielleicht auf den ersten Blick absurden und dennoch \u00fcberzeugenden Inhalten: ein &#8222;enzyklop\u00e4discher Palast&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Ziele<\/h1>\n<ul>\n<li>Einf\u00fchrung in das Medium Zeichentrickfilm\/ Animation<\/li>\n<li>Auseinandersetzung mit der &#8222;Welt&#8220;, der &#8222;Wirklichkeit&#8220;&nbsp; und der &#8222;Vorstellung&#8220; (mit den Stichworten, Wissensmonopol, Enzyklop\u00e4die, Philosopie, Erkenntnistheorie, radikaler Konstruktivismus)<\/li>\n<\/ul>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/aEAObel8yIE?rel=0?ecver=1\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe><\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%89mile_Cohl\">Emile Cohl<\/a>, Fantasmorgie 1908 (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aEAObel8yIE\">youtube<\/a>) <\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Vorkenntnisse\/ Vor\u00fcbungen<\/h1>\n<ul>\n<li>Einblick in die Geschichte und Technik der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Animation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Animation<\/a> mit Vor\u00fcbungen (analoge Einzelbild-Technicken wie z.B. der klassische Zeichentrickfilm, Mal-, Collage-, Kratz- oder Scherenschnittanimation sowie analoge Stop Motion wie z.B. Puppen-, Knetfiguren-, Lege-, Brickanimation oder Pixilation sowie auch 2D- und 3D-Computeranimationen sowie deren Mischtechniken)<\/li>\n<li>Auseinandersetzung mit dem Thema der Biennale di Venezia 2013: <a href=\"http:\/\/universes-in-universe.org\/deu\/bien\/biennale_venedig\/2013\/tour\/palazzo_enciclopedico\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der enzyklop\u00e4dische Palast<\/a><\/li>\n<li>Auseinadersetzung mit der Geschichte und Theorie der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_und_Entwicklung_der_Enzyklop%C3%A4die\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Enzyklop\u00e4die<\/a>, insbesondere der visuellen Enzyklop\u00e4dien (siehe z.B. Bilder von Online-Encyklop\u00e4dien wie von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wikipedia:Hauptseite\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wikipedia<\/a>, Bildw\u00f6rterb\u00fccher wie z.B. des <a href=\"http:\/\/bildwoerterbuch.pons.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pons-Verlages<\/a>, bebilderte Fachenzyklop\u00e4dien wie die Buchausgabe des <a href=\"http:\/\/www.larousse.fr\/archives\/medical\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Larousse M\u00e9dical<\/a>, Bilder-Atlas aus dem 19. Jh. wie jener von <a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:Brockhaus?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brockhaus<\/a>, <a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:Cyclopaedia?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abbildungen<\/a> in der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cyclopaedia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cyclopaedia<\/a> von Chambers von 1728, nachtr\u00e4gliche Bebilderungen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cesare_Ripa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cesare Ripas<\/a> Iconologia und wenn man den Begriff der visuellen Enzyklop\u00e4die etwas offener versteht, findet man auch Vorl\u00e4ufer z.B. in Grabbildern alt\u00e4gyptischer Kunst, die ihr Leben und die Welt visuell &#8222;inventarisieren&#8220; oder sogar in <a href=\"https:\/\/www.google.ch\/search?q=Cueva+de+El+Castillo&amp;client=firefox-a&amp;hs=6qb&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ei=gLerUaKgJK6K4gTwvYDACA&amp;ved=0CAoQ_AUoAQ&amp;biw=1397&amp;bih=712\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bildern<\/a> der \u00e4ltest bekannten H\u00f6hlenmalereien, der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/El-Castillo-H%C3%B6hle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cueva de El Castillo<\/a> in Spanien, die nebst den Handabdr\u00fccken etwas j\u00fcngere Darstellungen verschiedener Tierarten in einer reduziert enzyklop\u00e4disch sachlichen \u00c4sthetik zeigen)<\/li>\n<li>Auseinandersetzung mit dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Radikaler_Konstruktivismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Radikalen Konstruktivismus<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h1>Einleitung<\/h1>\n<p><strong>Heinz von F\u00f6rster:<\/strong> &#8222;[&#8230;] Oder man kann Fragen stellen, die nicht beantworten werden k\u00f6nnen. Wie z.B.: &#8218;Heinz von F\u00f6rster, sag einmal, wie ist das Weltall entstanden?&#8216; Ja, da kann ich eine von den 35 Theorien nennen. Und ich frage einen Sternkundigen und der sagt: &#8218;Da war doch dieser Big Bang vor 20 Millionen Jahren.&#8216; Oder ich frage einen braven Katholiken und er sagt mir: &#8218;Jeder weiss wie es entsanden ist; Da hat Gott die Welt erschaffen und am siebten Tag war er m\u00fcde und hat eine Pause gemacht &#8211; das war der Sonntag.&#8216; Da gibt es verschiedene, sehr interessante Hypothesen, wie das Weltall entstanden ist. Das heisst; Es gibt deswegen soviele Hypethesen, weil die Fragen nicht beantwortbar ist. So kommt es nur darauf an, wie interessant ist die Geschichte, die jemand erfindet, wie das Weltall entstanden ist. &#8220; (von einem Interviewausschnitt aus dem Dokumentarfilm &#8222;Das Netz&#8220; von Lutz Dammbeck, Arte 2004, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?feature=player_embedded&amp;v=PcPtl-vuGbI?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe hier ab Minute 5:50<\/a>, vom Verfasser transkribiert und leicht redigiert)<\/p>\n<p>Der \u00f6sterreichische Biophysiker Heinz von F\u00f6rster (1911-2002) vertritt im obigen Zitat die Idee des radikalen Konstruktivisums, eine philosophische bzw. erkenntnistheoretische Position, die sich seit den 1970-er Jahren aus verschiedenen Disziplinen und historischen Vorl\u00e4ufer gebildet hat. F\u00f6rster hinterfragt dabei nicht nur die Realtit\u00e4t, wie sie popul\u00e4r verstanden wird, sondern proklamiert sogar, dass es keine direkt erfahrbare Realit\u00e4t gibt (siehe z.B. ebenda zum Schluss des Interviewausschnittes ab Minute 9:30, als F\u00f6rster auf eine Frage provokativ mit einer Gegenfrage antwortet: &#8222;Wo ist die Realit\u00e4t? Wo haben Sie die?&#8220;). Jeder Mensch muss f\u00fcr sich aktiv eine Wirklichkeit erzeugen. Etwas anderes ist nicht erfahrbar und gibt es somit nicht. Als Methapher k\u00f6nnte man sagen: Im Kopf entsteht die Welt.<\/p>\n<p>Das Konzept einer Enzyklop\u00e4die steht diesem radikalen Konstruktivismus sozusagen als Antithese gegen\u00fcber. Etymologisch aus dem Griechischen frei \u00fcbersetzt ist eine Enzyklop\u00e4die eine wie in einem Kreis geschlossene, allgemein g\u00fcltige und all umfassende Unterrichtung (\u1f10\u03b3\u03ba\u03cd\u03ba\u03bb\u03b9\u03bf\u03c2 = im Kreis herumgehend, umfassend, allgemein; \u03c0\u03b1\u03b9\u03b4\u03b5\u03af\u03b1 = Unterrichtung, Erziehung). Nicht nur der radikale Konstruktivismus, auch andere zeitgen\u00f6ssische Ph\u00e4nomene (z.B. Schlagwort Wissensexplosion) und postmoderne Ans\u00e4tze (z.B. Feyerabends Parolen &#8222;Anything goes&#8220;) m\u00fcssten eigentlich das Konzept einer Enzyklop\u00e4die verunsichern. In dieser Hinsicht ist es auf der einen Seite erstaunlich, wie stark Enzyklop\u00e4dien heute pr\u00e4sent sind. Auf der anderen Seite kann dies aber mit den heutigen M\u00f6glichkeiten und dem Erfolg der neuen Medien und dem Internet&nbsp; erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>So scheint z.B. Wikipedia schlechthin das Wissensmonopol der breiten westlichen Bev\u00f6lkerung zu besitzen. Kaum ein Sch\u00fcler, Studierender, Politiker oder Verk\u00e4ufer wird ein Referat halten, ohne zuvor einige Stichworte via Wikipedia zumindest \u00fcberflogen zu haben. Ich wage sogar zu behaupten, dass heutzutage auch kaum ein Wissensherstellter, also Wissenschaftler, K\u00fcnstler, Zeitzeugen oder Geschichtenerz\u00e4hler auf den Zugriff auf wikipedia verzichtet. Kurz: Enzyklop\u00e4dien sind f\u00fcr den Menschen selbst hergestellte konstitutive Gebilde, mit denen wir uns sicher f\u00fchlen, mit denen wir uns gerne Repr\u00e4sentieren und die zugleich uns repr\u00e4sentieren. Wie es an der Biennale von Venedig 2013 unter der k\u00fcnstlerischen Leitung von Massimilliano Gioni zu erwarte ist, ist es Zeit damit etwas zu spielen.<\/p>\n<h1>Auftrag<\/h1>\n<p>Wir wollen nun die zwei gegens\u00e4tzliche Positionen vereinen, jene des Glaubens an eine Enzyklop\u00e4die und jene des Radikalen Konstruktivismus, wozu sich das Medium Trickfilm in seinen M\u00f6glichkeiten der Erzeugung einer funktionierenden Wirklichkeit sowie der fl\u00fcchtigen Darstellung besonders eignet.<\/p>\n<p>Dazu soll jede Sch\u00fclerin und jeder Sch\u00fcler in einem kurzen Clip einen frei w\u00e4hlbaren enzyklop\u00e4dischen Begriff in linearer Zeichnung spotartig einblenden lassen, diesen pr\u00e4sentieren und in seiner Funktion, Bedeutung oder \u00c4sthektik in einer \u00fcberzeugenden, aber neuen, unverhofften, eigenartigen Wirklichkeit erkl\u00e4ren. Eine Erkl\u00e4rung, die sich jeder popul\u00e4ren Vorstellung der Realit\u00e4t entsagt. Kopfstehend, irritierend, grotesk, skuril, poetisch, meinetwegen auf den ersten Blick surreal, aber interessant soll die enzyklop\u00e4dische Erkl\u00e4rung sein. Denn wie F\u00f6rster sagt: &#8222;Es kommt nur darauf an, wie interessant eine Geschichte ist!&#8220;<\/p>\n<h1>Kriterien<\/h1>\n<ul>\n<li>Formal: Die Animation l\u00e4uft in der Bewegung rund und \u00fcberzeugt in den Formen und der Strichf\u00fchrung. Sie erzeugt nach den M\u00f6glichkeiten des linearen Trickfilms eine glaubw\u00fcrdige Wirklichkeit.<\/li>\n<li>Inhaltlich: Die zu Beginn klare Pr\u00e4sentation des Gegenstandes nimmt in der Erkl\u00e4rung dramaturgisch eine \u00fcberraschende Wende und erzeugt eine &#8222;kopfstehende&#8220; aber interessante Wirklichkeit.<\/li>\n<li>Gesamteindruck<\/li>\n<\/ul>\n<h1>Material\/ Technische Daten<\/h1>\n<ul>\n<li>A5 max. 80 gr. Kopierpapier mit A4-Lochung und Heftverschl\u00fcsse oder Ordnerklammern (ca. 2 cm Randabschnitt einplanen), mit weichem Bleistift und kr\u00e4ftigem Einsatz<\/li>\n<li>12 Bilder pro Sekunde, 4:3 Videoformat (HD oder Pal &#8211; Achtung, kein 16:9)<\/li>\n<li>Video- oder Fotokamera, Computer mit Stopmotionprogramm<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Auftrag befasst sich mit dem Medium Trickfilm. In Anlehung an die Biennale von Venedig 2013 mit dem Thema &#8222;der enzyklop\u00e4dische Palast&#8220; soll pro Sch\u00fclerIn eine Trickfilm-Einblendung gezeichnet werden. 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