{"id":450,"date":"2010-11-12T19:03:09","date_gmt":"2010-11-12T19:03:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/2010\/11\/12\/sind-die-bestiarien-echt-mittelalterliche-buchmalerei\/"},"modified":"2025-01-08T15:46:39","modified_gmt":"2025-01-08T15:46:39","slug":"sind-die-bestiarien-echt-mittelalterliche-buchmalerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/sind-die-bestiarien-echt-mittelalterliche-buchmalerei\/","title":{"rendered":"Sind die Bestiarien echt? (mittelalterliche Buchmalerei)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bestiarien sind im weitesten Sinn mittelalterliche Dichtungen von Tier- und Fabelwesen, die oft in Form von Buchmalerei mit Bild und Text festgehalten und \u00fcberliefert wurden. Dieser Auftrag besch\u00e4ftigt sich mit der Bildgestaltung, Typografie, Ornamentik und Materialit\u00e4t romanischer und gotischer Buchmalerei. Hierzu soll ein solches Blatt gestaltet \u2013 beziehungsweise gef\u00e4lscht \u2013 werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ziele<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Einf\u00fchrung in die \u00c4sthetik und Geschichte der Buchmalerei des Mittelalters<\/li>\n\n\n\n<li>Auseinandersetzung mit Bild, Typografie, Layout, Ornament<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00f6rderung der Kreativit\u00e4t und L\u00f6sungskompetenz (z. B. bei der Gestaltung eigener Fabelwesen oder der Entwicklung unkonventioneller Methoden zur Imitation von altem Pergament oder Papier)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vor\u00fcbung<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Untersuchung romanischer und gotischer Bildgestaltung, Ornamenten und Typografie (gebrochene Schriften, Initialen) des Mittelalters<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\" style=\"border-style:none;border-width:0px\"><tbody><tr><td>&nbsp;<figure><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:F11v-aberdeen-best.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/b0\/F11v-aberdeen-best.jpg\/256px-F11v-aberdeen-best.jpg\" alt=\" \" width=\"167\" height=\"263\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\"><\/a><\/figure><\/td><td><figure><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:AberdeenBestiaryFolio005rAdamNamesAnimalsDetail.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/e\/e7\/AberdeenBestiaryFolio005rAdamNamesAnimalsDetail.jpg\" alt=\" \" width=\"213\" height=\"181\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\"><\/a><\/figure><\/td><td><figure><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:85-Oxford_1511_-_Unicorno.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/0d\/85-Oxford_1511_-_Unicorno.jpg\/419px-85-Oxford_1511_-_Unicorno.jpg\" alt=\" \" width=\"187\" height=\"267\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\"><\/a><\/figure><\/td><\/tr><tr><td><address>Aberdeen Bestiarium, Hy\u00e4ne, Blatt 11, 12. Jh. (public domain)<\/address><\/td><td><address>Aberdeen Bestiarium, Adam benennt die Tiere, Ausschnitt von Blatt 5, 12. Jh. (public domain)<\/address><\/td><td><address>Ashmole Bestiarium, Einhorn und B\u00e4r, Ausschnitt von Blatt 21 rechts, fr\u00fches 13. Jh. (public domain)<\/address><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zeitungsbericht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sensationeller Fund ist keine F\u00e4lschung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Seit der gestrigen Pressemitteilung des Bundesamtes f\u00fcr Kultur (BAK) steht fest: Die von der Schulklasse k\u00fcrzlich gefundenen Schriftst\u00fccke sind echt. Es handelt sich hierbei um 800- bis 750-j\u00e4hrige regionale, mittelalterliche Schriftst\u00fccke, die bereits in Werken des englischen Franziskanerm\u00f6nchen Roger Bacon erw\u00e4hnt wurden.<\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bereits vor einer Woche berichtet, wurde bei Grabungen einer Schulklasse f\u00fcr ein Kunstprojekt zuf\u00e4llig unter gest\u00fcrzten Mauerfragmenten lose und unterschiedlich erhaltene Schriftst\u00fccke gefunden. Entgegen den Erwartungen des regionalen Amtsleiters f\u00fcr Kulturg\u00fcterschutz und der wissenschaftlichen Fachwelt konnte nun ein internationales Expertengremium durch radiometrische Untersuchungen und verschiedenen kulturhistorischen Methoden die Echtheit der k\u00fcrzlich gefundenen Schriftst\u00fccke mit hoher Sicherheit best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mauern stammen wahrscheinlich von einer bis dato nicht bekannten Kapelle oder kleinen Klosteranlage des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Der arch\u00e4ologische Dienst hat bereits mit Voruntersuchungen der Klosteranlage begonnen, konnte jedoch mit der breit angelegten Projektplanung noch nicht beginnen. Von den losen Bl\u00e4ttern, die lediglich die Spitze eines Eisberges zu sein scheinen, sind allerdings bereits die ersten Resultate bekannt. Die Schriftst\u00fccke stammen aus einem Kompendium mittelalterlicher Darstellungen von geheimnisvollen Tier- und Fabelwesen, die mit Text und Bild reich illustriert sind. Diese in der Fachwelt als Bestiarien bezeichnet Darstellungen werden von moralisierenden Texten begleitet, die \u00fcblicherweise vorhandene oder erfundene Eigenschaften der Wesen beschreiben. Die Sprache in den entdeckten Schriftst\u00fccken entspricht einem regionalen Idiom, welches erst noch entschl\u00fcsselt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch diesen unglaublichen Fund, der noch gestern von der gesamten Fachwelt nicht ernst genommen wurde, lassen sich gem\u00e4ss dem Sprecher der Untersuchungskommission verschiedene L\u00fccken in Philosophie, Theologie, Kultur-, Kunst-, Sprachwissenschaften schliessen. Das Institut f\u00fcr Medi\u00e4vistik wird mit diesen arch\u00e4ologischen Trouvaillen f\u00fcr mehrere Jahre besch\u00e4ftigt sein, f\u00fcgt der Sprecher an. Was wohl bei weiteren Grabungen vor Ort alles noch auftauchen mag, wagt nun nach den ersten Resultaten niemand mehr zu spekulieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auftrag<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00e4lsche solch ein loses Blatt einer gotischen Buchmalerei, indem du dein eigenes Tier- oder Fabelwesen erfindest und dieses mit scheinbar echt wirkendem Papier oder Pergament, Bildern, Ornamenten und Textdarstellung dieser Zeit ausarbeitest. Untersuche im Vorfeld bestehende Beispiele und versuche anhand deiner Erkenntnisse \u00e4sthetisch glaubhafte und inhaltlich kreative L\u00f6sungen zu gestalten. Entwickle eigene Methoden, um den Alterungsprozess des Blattes zu imitieren, die du nat\u00fcrlich als F\u00e4lscher geheim halten sollst.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kriterien<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00c4sthetisch gute F\u00e4lschung (Gestaltung von Bild, Schrift, Initialen, Ornamentik wirken gotisch)<\/li>\n\n\n\n<li>Technisch gute F\u00e4lschung (\u00fcberzeugende Imitation von altem Papier oder Pergament, von Alterungs- und Gebrauchsspuren)<\/li>\n\n\n\n<li>Inhaltlich kreative und spannende Geschichte (in Bild und Text)<\/li>\n\n\n\n<li>Gesamteindruck<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Material<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim F\u00e4lschen ist jedes Material und jede Technik erlaubt! Ein F\u00e4lscher beh\u00e4lt aber seine selbst entwickelten Gestaltungstricks und Rezepte f\u00fcr sich. Und \u00fcbrigens: Manche F\u00e4lscher sehen sich als K\u00fcnstler und setzen aus Stolz zu ihrem Werk irgendwo ein kleines und gut verstecktes Zeichen, um die gelungene Arbeit f\u00fcr sich in Anspruch zu nehmen &#8211; aber so, dass nur ein kleiner, ausgew\u00e4hlter Kreis die Herkunft der F\u00e4lschung erkennen kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">N\u00fctzliche Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berner_Physiologus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berner Physiologus<\/a> (ca. 825-850)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Aberdeen_Bestiary\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aberdeen Besitarium<\/a> (12. Jh.)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:Rochester_Bestiary?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rochester Bestiarium<\/a> (13.Jh.)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Voynich-Manuskript%20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Voynich Manuskript<\/a> (fr\u00fches 15. Jh)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bestiarien sind im weitesten Sinn mittelalterliche Dichtungen von Tier- und Fabelwesen, die oft in Form von Buchmalerei mit Bild und Text festgehalten und \u00fcberliefert wurden. Dieser Auftrag besch\u00e4ftigt sich mit der Bildgestaltung, Typografie, Ornamentik und Materialit\u00e4t romanischer und gotischer Buchmalerei. Hierzu soll ein solches Blatt gestaltet \u2013 beziehungsweise gef\u00e4lscht \u2013 werden. 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