{"id":384,"date":"2009-01-21T22:26:27","date_gmt":"2009-01-21T22:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/2009\/01\/21\/geschichte-der-lateinischen-schrift-und-der-typographie\/"},"modified":"2023-03-03T23:19:45","modified_gmt":"2023-03-03T23:19:45","slug":"geschichte-der-lateinischen-schrift-und-der-typographie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/geschichte-der-lateinischen-schrift-und-der-typographie\/","title":{"rendered":"Geschichte der lateinischen Schrift und der Typographie"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Beitrag listet grob die Geschichte der lateinischen Schrift von der Urgeschichte der Schrift \u00fcber die handschriftliche Vorgeschichte, die Typographie &#8211; also die Herausbildung der Druckschrift &#8211; bis heute. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Beitrag dient zum \u00dcberblick und als Ausgangslage f\u00fcr eigene Recherchen.<\/p>\n\n\n<h1>1. Urgeschichte der (lateinischen) Schrift<\/h1>\n<p>Unsere lateinische Schrift wurde aus dem griechischen Alphabet entwickelt, das wiederum aus Bildzeichen zu Bild-Lautzeichen, zu Lautgruppen und dann zu Einzellauten \u00fcber verschiedene Kulturen des \u00f6stlichen Mittelmeerraumes entwickelt wurde (\u00c4gypter, Summerer, Ph\u00f6nizier).<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Bildzeichen<\/strong> (auch Gegenstandszeichen genannt) sind Ideenzeichen ohne festen Wortlaut wie es in den heutigen Piktogrammen und der chinesischen Schrift zu sehen ist -&gt; ein gezeichneter Kreis = Rad, Reifen, R\u00e4derwerk, Pneu<\/li>\n<li><strong>Bild-Lautzeichen = Wortschrift<\/strong> besitzen einen festen, eindeutigen Wortlaut wie sie z.B. ab 4000 v. Chr. in \u00c4gypten entwickelt wurden -&gt; ein gezeichneter Kreis = &#8222;Rad&#8220;<\/li>\n<li><strong>Lautgruppenzeichen = Silbenschrift<\/strong> (\u00f6stlicher Mittelmeerraum um 2000 v. Chr.)&nbsp; erm\u00f6glichen die Beschreibung abstrakter oder komplexer Begriffe durch den Fokus auf die Aussprache und einer Vernachl\u00e4ssigung des eigentlichen Wortsinns,&nbsp;funktioniert aber nur innerhalb eines Sprachraumes&nbsp;-&gt; &#8222;gerade&#8220; = geh-Rad-(e)<\/li>\n<li><strong>Einzellautzeichen = Buchstabenschrift<\/strong> (1600-1200 v. Chr. im altsemitischen Sprachraum) wie sie die Ph\u00f6nizier zur Buchstabenschrift aus lauter Konsonanten entwickelten und druch den Handelskontakt um 1000 v. Chr von den Altgriechen aufgenommen und mit Vokalen ausgebaut wurde -&gt; &#8222;gerade&#8220; = g e r a d e<\/li>\n<\/ol>\n<h1>2. Handschriftliche Vorgeschichte<\/h1>\n<h2>ab 6. Jh. v. Chr. (r\u00f6mische Antike)<\/h2>\n<ul>\n<li>Steinschrift: Capitalis Monumentalis, kurz <strong>Kapitalis<\/strong> (grosse Lettern durch die Keilschrift gepr\u00e4gt)<\/li>\n<li>Buchschrift: Capitalis <strong>Rustica<\/strong> und <strong>Quadrata<\/strong><\/li>\n<li>Alltag: \u00e4ltere r\u00f6mische <strong>Kursive<\/strong> (bereits einige Buchstaben mit Ober- und Unterl\u00e4ngen)<\/li>\n<\/ul>\n<h2>ab 3. Jh. (Ende der r\u00f6mischen Antike und fr\u00fches Mittelalter)<\/h2>\n<ul>\n<li>Aus der Kapitalis und Kursive entwickelt sich die <strong>Unziale<\/strong><\/li>\n<li>Im Alltag wird weiter die Kursive genutzt<\/li>\n<\/ul>\n<h2>ab 8. Jh. (karolingische Zeit)<\/h2>\n<ul>\n<li>Aus der Unziale entwickelt sich die <strong>karolingische Minuskel<\/strong> (Kleinbuchstabenschrift, kleinere und spitzere Buchstaben als die Unziale), hieraus werden sich die gotischen Schriften&nbsp;entwickeln<\/li>\n<\/ul>\n<h2>ab 12. Jh. (gotische Zeit)<\/h2>\n<ul>\n<li>Buchschrift: <strong>Rotunda<\/strong> (in Verwendung der Kirche), <strong>Textur<\/strong> (wird sp\u00e4ter 1450 von Gutenberg f\u00fcr den ersten Druck verwendet)<\/li>\n<li>Gebrauchs- und Gesch\u00e4ftsschrift: <strong>Notula<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h1>3. Neuzeit und Moderne &#8211; Geschichte der Typographie<\/h1>\n<p>Ab dieser Zeit entwickelt sich die Druckschrift, womit die Geschichte der Typographie beginnt.<\/p>\n<h2>ab 1500 (fr\u00fche Neuzeit &#8211; Renaissance, Barock, Klassizismus)<\/h2>\n<p>Aus der Textur entwickelt sich Ende 15. Jahrhundert die <strong>Schwabacher<\/strong> und dann die <strong>Fraktur<\/strong>, die sich immer wieder modischen \u00c4nderungen anpasst. So k\u00f6nnen sich die gebrochenen Schriften im deutschen Sprachraum bis ins 20. Jh. behaupten. Neu entwickelt sich die <strong>Antiqua<\/strong> aus Grossbuchstaben aus der Kapitalis und Kleinbuchstaben aus der karolingischen Minuskel mit Serifen und geringen Strichst\u00e4rkenunterschiede (z.B. <strong>Bembo<\/strong> und sp\u00e4ter die <strong>Garamond<\/strong>). Im Klassizismus entwickelt sich die Antiqua <strong>Bodoni<\/strong>, die st\u00e4rkere Strichst\u00e4rkenunterschiede zeigt (Haar- und Breitstriche).<\/p>\n<h2>19. Jh. (sp\u00e4te Neuzeit)<\/h2>\n<p>Neu entwickeln sich im Zuge der Industrialisierung, Konkurenz und Mobilit\u00e4t auffallendere Werbeschriften. So ensteht unter anderem die serifenlose und&nbsp;strichst\u00e4rkengleiche Schriftfamilie der <strong>Groteske<\/strong> (z.B.&nbsp;Accidenz-Grotesk) aber auch extravagantere wie die <strong>Egyptienne<\/strong> (z.B. Clarendon, sp\u00e4ter Rockwell) oder noch modischere wie die <strong>Jugenstilschriften<\/strong> (z.B. B\u00f6cklin, Eckmann).<\/p>\n<h2>20. Jh. (Moderne)<\/h2>\n<p>Gegen Ende des 2. Weltkrieges sind die gebrochenen Schriften (Fraktur etc.) und deren Derivate wie die gebrochene Grotesk (z.B. Tannenberg) nun auch im deutssprachiven Raum immer weniger bis kaum mehr vertreten (siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Antiqua-Fraktur-Streit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antiqua-Fraktur-Streit<\/a>). Durchgesetzt habe sich die <strong>Antiqua<\/strong> (z.B. Times, Lucida Bright) und <strong>Grotesk<\/strong> (z.B. Helvetica, Gill Sans, Frutiger, Arial). Neu sind <strong>Handwritings<\/strong> (z.B. Zapfino, Mistral) und <strong>piktografische Fonts<\/strong> im Einsatz.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag listet grob die Geschichte der lateinischen Schrift von der Urgeschichte der Schrift \u00fcber die handschriftliche Vorgeschichte, die Typographie &#8211; also die Herausbildung der Druckschrift &#8211; bis heute.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1810,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[34,24],"class_list":["post-384","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-grafikdesign-visuelle-kommunikation","tag-kunstgeschichte-bildwissenschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=384"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1814,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384\/revisions\/1814"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=384"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=384"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=384"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}