{"id":221,"date":"2007-11-11T14:41:52","date_gmt":"2007-11-11T14:41:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/2007\/11\/11\/modellieren-nur-das-wichtigste\/"},"modified":"2023-10-20T08:16:47","modified_gmt":"2023-10-20T08:16:47","slug":"modellieren-nur-das-wichtigste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/modellieren-nur-das-wichtigste\/","title":{"rendered":"Modellieren mit Ton &#8211; (nur) das Wichtigste"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Beitrag gibt praktische Hinweise zur Arbeit mit Ton.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Was ist Ton? Unterschied zu Lehm? Was ist Schlick?<\/li>\n\n\n\n<li>Verhalten beim Trocknen und beim Brennen ?<\/li>\n\n\n\n<li>Was ist eine Glasur? Was eine Engobe? Schamotte? Wozu? Wann?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie modelliere ich mit Ton?&nbsp; Ideal &#8211; Risiko &#8211; Flop<\/li>\n\n\n\n<li>Wie konserviere&nbsp;ich ein unfertiges Objekt, wie halte ich es feucht?&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist Ton? Unterschied zu Lehm? Was ist Schlick?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ton<\/strong> ist anorganisches Material, ist nicht wie &#8218;Erde&#8216; (gleich Humus). Ton entsteht durch Verwitterung\/ Erosion von Fels\/ Stein. Fels wird z. B. durch Temperaturunterschiede\/ Frost gesprengt, f\u00e4llt als Ger\u00f6ll zu Tal. Die Steine werden dann durch und im Fliesswasser verkleinert. Kiesk\u00f6rner reiben und schmirgeln sich aneinander. In Tausenden von Jahren entsteht Sand. Aber Ton ist aus noch kleineren Partikeln zusammengesetzt. Es ist abgelagerter <strong>Steinstaub<\/strong>. Tonablagerungen entstanden, als sich die eiszeitlichen Gletscher zur\u00fcckzogen&nbsp;(vor ca. 60 000 bis 20 000 Jahren!), man findet sie in Schwemmebenen und Seen. Es gibt aber auch \u00e4ltere Ablagerungen, vor allem im Jura, die entstanden ( oft auch im Meer) schon vor \u00fcber 100 Millionen Jahren, zur Zeit vor der Alpenfaltung, als die Saurier noch durch die S\u00fcmpfe zogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lehm <\/strong>ist die Bezeichnung von Geologen\/ Geografen f\u00fcr ungereinigten Ton.<br>Modellierton ist gereinigt. Lehm ist heterogener als Ton und kann auch organische Substanzen enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlick <\/strong>ist gew\u00e4sserter Ton, bzw. Lehm; er wird zum Giessen und (auch als Engobe) zum Auftragen verwendet. Es ist eine schmierig nasse Ton-Sauce.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verhalten beim Trocknen und beim Brennen<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Verhalten beim Trocknen:<\/strong> Ton zieht sich beim Trocknen um 5 bis 10 Prozent zusammen. Wenn er irgendwo festklebt, dann reisst er, es bilden sich Risse (wie bei einer eingetrockneten Lehmpf\u00fctze auf einer Naturstrasse). Ist eine Tonform zu massig (mehr als 2 bis 5 Zentimeter dick), so kann sie sich nicht zusammenziehen und es bricht irgendwo, reisst auf; deshalb sollen alle massigeren Objekte geh\u00f6hlt werden. Kleinere Teile trockenen schneller als gr\u00f6ssere; dennoch sollte der Trocknungsprozess gleichm\u00e4ssig erfolgen kleinere Teile (z. B. Henkel an einem Krug) k\u00f6nnen mit Alufolie abgedeckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verhalten beim Brennen:<\/strong> Das Objekt muss absolut trocken sein. Auch bei langsamer Erw\u00e4rmung (auf 900 Grad, gleich Rohbrandtemperatur) reisst erhitzter Wasserdampf jedes Objekt in St\u00fccke! Beim Brennen ver\u00e4ndern sich die Molek\u00fcle im Ton. Das Objekt wird steinhart und kann nachher nicht mehr durch Wasser aufgel\u00f6st werden. Beim Brennen zieht sich das Objekt nochmals 2 bis 10 Prozent zusammen. Damit eine Figur nicht kaputt geht, muss sowohl die Temperaturerh\u00f6hung wie auch das Abk\u00fchlen sehr langsam erfolgen (zirka 12 Stunden erhitzen\/ mindestens 12 Stunden abk\u00fchlen lassen). Lufteinschl\u00fcsse f\u00fchren oft zu Explosionen, zerreissen das Objekt! Ultimativ wichtig f\u00fcr den &#8218;Brennmeister&#8216;: Unbedingt Schmelzpunkt des Tons kennen und den Ofen entsprechend programmieren. Wenn der Ofen zu hoch (\u00fcber den Schmelzpunkt des Tones) heizt, dann f\u00fchrt dies zu einem schlimmen Ereignis; sch\u00f6n f\u00fcrs Auge (geschmolzener Ton ist wie Lava: herrlich anzuschauen), aber finanziell happig (man kann den Brennofen nicht bei 1200 Grad putzen!).<br>Geschmolzener Ton wird steinhart und besch\u00e4digt den Ofen gravierend und leider im unerwarteten Ernstfall in zu grosser Menge.<br>Jeder Ton schmilzt irgendwann und verh\u00e4lt sich dann so wie eine Glasur; wird fl\u00fcssig wie frischer Bienenhonig.<br>Die h\u00f6chsten Schmelzpunkte haben porzellanartige Tone mit Kaolin\/ Aluminiumsilikat (Brand bei 1400 Grad); diese schmelzen erst bei 1800 Grad, sind also hitzebest\u00e4ndiger als die meisten Metalle. Porzellan z. B. verbrennt, bzw. schmilzt nicht in der Kehrichtverbrennungsanlage; das Material bleibt wie es ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist eine Glasur? Was eine Engobe? Schamotte?&nbsp;&nbsp;Wozu? Wann?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Glasur:<\/strong> Das Wort sagt es: es ist ein Glas\u00fcberzug (mehrheitlich Siliziumoxid\/ Quarz-Granitbestandteil). Eine Glasur ist materialm\u00e4ssig \u00e4hnlich wie Ton, n\u00e4mlich ein Steinstaub-Pulver, welches in Wasser aufgel\u00f6st auf die roh gebrannte Tonfigur aufgetragen wird (eintauchen, \u00fcbergiessen oder mit Pinsel anstreichen); nur dass der Schmelzpunkt einer Glasur immer tiefer liegen muss als derjenige des Objektes.<br>Bei 950 bis 1250 Grad schmilzt das aufgetragene Glasur-Steinpulver, \u00e4ndert dabei auch die Farbe, wird glasig und bestimmt das Aussehen und die Oberfl\u00e4che des Objektes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Engobe:<\/strong> Fl\u00fcssiger Tonbrei der auf das ungebrannte Objekt aufgetragen wird und gewissermassen eine feuerfeste Farbe ist. Meistens wird die Engobe in einem zweiten (Glasur-)Brand mit einer Transparentglasur zus\u00e4tzlich fixiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schamotte:<\/strong> Kleine K\u00f6rnchen aus schon gebranntem Ton, die dem feuchten Ton beigef\u00fcgt werden.<br><strong>Vorteil<\/strong>: gr\u00f6ssere Objekte lassen sich gefahrlos brennen, weil die K\u00f6rnchen den Luftaustritt erleichtern und der Ton deshalb weniger geh\u00f6hlt werden muss. Der Ton zieht sich auch weniger zusammen; er verh\u00e4lt sich also beim Brennen &#8218;gutm\u00fctiger&#8216;.<br><strong>Nachteil<\/strong>: Die Oberfl\u00e4chenstruktur von schamottiertem Ton ist immer rau.<br>Feine Formen k\u00f6nnen nicht gut modelliert werden und Objekte k\u00f6nnen kaum geschmirgelt\/ geschliffen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie modelliere ich mit Ton? Ideal &#8211; Risiko &#8211; Flop<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ton bearbeiten:<br><\/strong>Ideal: Wegnehmen &#8211; wie ein Steinbildhauer Material wegtragen.<br>Dr\u00fccken &#8211; Durch Finger- oder Werkzeugdruck Form ver\u00e4ndern<br>Risiko, bzw. Flop &#8211; Also nur mit Vorsicht oder\/ und Erfahrung anwenden:<br>Anf\u00fcgen: einzelne Teile werden zu einem Ganzen zusammengesetzt.<br>Dehnen, Ziehen, Drehen, Beugen:<br>zuviel Bewegung erm\u00fcdet den Ton.<br>Gr\u00f6sster Fehler: Luftblasen (Sprengwirkung beim Brennen)<br>Objekte immer aush\u00f6hlen, wenn die Dicke der Objekte 2 bis 4 Zentimeter \u00fcbersteigt.<br>Wasser bereithalten, aber nur wenn n\u00f6tig anwenden, z. B. in sehr trockenen R\u00e4umen, wenn man trockene H\u00e4nde hat oder wenn der Ton schon spr\u00f6d und rissig ist. Nie auf die Idee kommen, gr\u00f6ssere Mengen von feuchtem Ton auf schon getrockneten aufzutragen; er wird reissen und sich abl\u00f6sen!<br>Wichtig: Immer ein St\u00fcck Plastik auf die Unterlage-Platte legen, damit das Objekt jederzeit problemlos entfernt werden kann, nicht kleben bleibt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie konserviere ich ein unfertiges Objekt? Wie halte ich es feucht?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ton konservieren; feucht Halten von unfertigen Objekten:<br>Einen nassen Textillappen neben das Objekt legen und alles gut in einem Plastiksack drin verschliessen. Der Lappen soll entweder tropfnass oder nur feucht sein, je nach Zustand des Tones. Das Objekt soll damit nicht eingewickelt werden (Deformationsgefahr), es gen\u00fcgen 100 Prozent Luftfeuchtigkeit!<br>Die Objekte k\u00f6nnen so bis zu 8 Wochen gelagert werden; einzige &#8218;Gefahr&#8216;:<br>Schimmelpilzbefall; f\u00fcr Mensch und Objekt harmlos, riecht interessant nach Natur-pur im tiefen Keller.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:67px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Beitragsbild: Glasur (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Glasuur_sinine.JPG?uselang=de\">gemeinfrei via wikimedia commons<\/a>)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag gibt praktische Hinweise zur Arbeit mit Ton.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":5932,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[41],"class_list":["post-221","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-leitfaeden","tag-3-dimensionales"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=221"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5935,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/221\/revisions\/5935"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}