{"id":21,"date":"2006-11-30T11:48:39","date_gmt":"2006-11-30T11:48:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/2006\/11\/30\/verhllte-wahrheit-zu-und-aufdecken\/"},"modified":"2023-03-02T21:27:46","modified_gmt":"2023-03-02T21:27:46","slug":"verhllte-wahrheit-zu-und-aufdecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/verhllte-wahrheit-zu-und-aufdecken\/","title":{"rendered":"Verh\u00fcllte Wahrheit (Zu- und Aufdecken)"},"content":{"rendered":"<h1>Ziele<\/h1>\n<ul>\n<li>F\u00f6rderung der eigenen k\u00fcnstlerisch-gestalterischen Auseinandersetzung<\/li>\n<li>Sensibilisierung zum Thema &#8222;Zudecken&#8220; (z.B. beibehalten, verst\u00e4rken oder ver\u00e4ndern eines Gehaltes durch Zudecken)<\/li>\n<li>Intermediales Arbeiten<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Drei Geschichten zum Thema Zu- und Aufdecken<\/h1>\n<h2>Braghettone: der Unterhosenmaler<\/h2>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 120px;\" valign=\"top\">\n<address><a href=\"index2.php?option=com_jce&amp;task=popup\" onclick=\"window.open(this.href+'&amp;img=images\/stories\/Kunstreprodunktionen\/Michaelangelo\/1535-41michaelangelo_juengstegericht-bartholomaeus_pd.jpg&amp;title=&amp;w=581&amp;h=800&amp;mode=0&amp;print=0&amp;click=0','','height=800,width=581,top=-16,left=221.5,scrollbars=no,resizable=no');return false;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-20\" src=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2006\/11\/thumb_1535-41michaelangelo_juengstegericht-bartholomaeus_pd.jpg\" alt=\"1535-41michaelangelo_juengstegericht-bartholomaeus_pd\" width=\"108\" height=\"150\" title=\"1535-41michaelangelo_juengstegericht-bartholomaeus_pd\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" \/><\/a><\/address>\n<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td rowspan=\"2\" valign=\"top\">\n<p>Daniele da Volterra, auch Braghettone genannt (&#8222;grosse Hose&#8220; oder frei \u00fcbersetzt: der Unterhosenmaler), musste die Arbeiten Michelangelos in der sixtinischen Kapelle im Auftrag des neuen Papstes an unsittlichen Stellen mit Tuchst\u00fccken so \u00fcbermalen, sodass diese nicht mehr von der heiligen Inquisition gef\u00e4hrdet waren. Dabei durfte der Gehalt bzw. das Wesen des Werkes nicht verfremdet werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Link zum Vatikanischen Museum: <a href=\"http:\/\/mv.vatican.va\/6_DE\/pages\/CSN\/CSN_Main.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sixtinische Kapelle<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Im J\u00fcngsten Gericht der Sixtina bringt die Darstellung des heiligen Bartholom\u00e4us mit seinem Attribut, der abgezogener Haut, in diesem Zusammenhang nachtr\u00e4glich eine unheimliche Symbolik mit sich. Dies wird noch verquickter, da im Antlitz des Barholom\u00e4us ein Selbstportrait von Michaelangelo vermutet wird.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<address>Michaelangelo, Hl. Bartholom\u00e4us, Detail aus dem j\u00fcngsten Gericht, Sixtina (1535-1541)<\/address>\n<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Berlusconi: \u00dcbermalung der Wahrheit<\/h2>\n<p>Auch der Italienische Politiker Berlusconi hat die &#8222;Wahrheit&#8220;, welche der barocke Maler <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Giovanni_Battista_Tiepolo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Giambatista Tiepolo<\/a> in Form eines weiblichen Aktes darstellte, an &#8222;unsittlichen&#8220; Stellen \u00fcbermalen lassen, um das Bild so im Anlass einer Pressekonferenz im Hintergrund zu verwenden. Dies tr\u00e4gt eine unangenehme Ironie mit sich, was wohl weniger im Sinne der hauseigenen Politikstrategen von Berlusconi war. Die urspr\u00fcngliche Allegorie von Tiepolo zur nackten Wahrheit wird von Chronos, der personifizierten Zeit, enth\u00fclt (La verit\u00e0 svelata dal tempo). Einige Jahrhundert sp\u00e4ter wird die Wahrheit von Berlusconi wieder verdeckt.<\/p>\n<ul>\n<li>Link zum Artikel in der Boulevardpresse <a href=\"http:\/\/www.20min.ch\/news\/ausland\/story\/17961947\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">20 min<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Kress: Anz\u00fcge f\u00fcr die &#8222;M\u00e4dchen&#8220;<\/h2>\n<p>Der zeitgen\u00f6ssische deutsche K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/www.kunstaspekte.de\/index.php?action=webpages&amp;k=5449\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Michael Kress<\/a> erlaubt einen Blick in die Bildwelt der Billig-Pornoindustrie und zeigt Darstellerinnen in eindeutigen Posen. Kress verfremdet jedoch die lasziv inszenierten Abbildungen, indem er den Darstellerinnen durch einfache digitale Nachbearbeitung Anz\u00fcge anbringt. Diese Anz\u00fcge \u00fcberdecken zwar weit mehr als die Geschlechtsteile, jedoch durch Farbe, Fl\u00e4chigkeit und Ausformung wird das Anr\u00fcchige eher verst\u00e4rkt, anstatt, wie dies zu erwarten w\u00e4re, durch die &#8222;Zensur&#8220; aufgehoben. Auf jeden Fall wird klar, dass das Anr\u00fcchige nichts mit der Menge an nackter Haut zu tun hat.<\/p>\n<ul>\n<li>Link zum Online-Auftritt <a href=\"http:\/\/diemaedchenvonnebenan.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die M\u00e4dchen von nebenan<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>1. \u00dcbung:<\/h1>\n<p>In Anbetracht dessen, dass die Nachfrage an Unterhosenmaler anw\u00e4chst, sollen Sie sich ebenfalls daran \u00fcben. Sammeln Sie jegliche Art von Zeitungen, Zeitschriften, Prospekte und anderen Drucksachen, in denen leicht bekleidete oder gar nackte Menschen abgebildet sind &#8211; z.B. Unterw\u00e4schewerbung. H\u00fcllen Sie diese &#8222;unsittlichen&#8220; Figuren malerisch in Tuchst\u00fccke ein, wie es Braghettone tat &#8211; ohne das Wesen der Figuren zu berauben.<\/p>\n<p>Technischer Hinweis: Nutzen Sie dort wo die Farbe auf dem Malgrund bzw. dem Prospekt nicht ansetzt und abperlt unverd\u00fcnte Gouache- oder Acrylfarbe (Faustregel: fett auf mager). Allenfalls k\u00f6nnen auch die Drucksachen zuerst fotokopiert (Xerografie) und dann \u00fcbermalt werden, was auch gestalterisch sehr reizvoll ist, da dann mit Variationen experimentiert werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>2. \u00dcbung:<\/h1>\n<p>Wagen Sie sich nun an die grossen Werke der Kunstgschichte (siehe Repros des <a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:PD-Art_%28Yorck_Project%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Yorck Projects<\/a> ). Verdecken Sie bestimmte Bildelemente des Werkes mit Tuchst\u00fccken. Fotografieren Sie hierzu Tuchst\u00fccke, die Sie anschliessend mit digitaler Bildmontage in das Werk \u00fcbergangslos einbinden. Das Ziel dieser \u00dcbung ist, den Gehalt bzw. das Wesen der Werke mit einer einfachen \u00dcberdeckung komplett zu berauben.<\/p>\n<p>Technischer Hinweis: Arbeiten Sie mit Maskierung, Stempel, Farb- und Texturanpassungen (z.B. Sch\u00e4rfefilter), um die Bilder formal \u00fcbergangslos ins Bild einzubinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Weitere m\u00f6gliche Werkbesprechungen<\/h1>\n<ul>\n<li>Joseph Beuys, Schneefall (1965)<\/li>\n<li>Valie Export, <a href=\"http:\/\/www.medienkunstnetz.de\/werke\/tapp-und-tastkino\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tap und Tastkino<\/a> (1968)<\/li>\n<li>Heidi Bucher, <a href=\"http:\/\/www.sikart.ch\/page.php?pid=8&amp;recnr=4002214&amp;reset=1&amp;mode=abbildungen&amp;lov=Werkauswahl&amp;nojump=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hautr\u00e4ume<\/a> (z.B. 1980 in Winterthur)<\/li>\n<li>Christo und Jeanne-Claude, <a href=\"http:\/\/christojeanneclaude.net\/wr.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verh\u00fcllter Reichstag<\/a> (1995)<\/li>\n<li>Vanessa Beecroft, <a href=\"http:\/\/www.vanessabeecroft.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Performance VB45<\/a> (2001 Kunsthalle Wien)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Auftrag<\/h1>\n<p>Setzen Sie sich zum Thema Zu- und Aufdecken mit einer eigenen k\u00fcnstlerisch-gestalterischen Arbeit auseinander. Der vorgegebene Zeitrahmen ist einzuhalten. Es darf dem Thema entsprechend intermedial gearbeitet werdern. So sind bildnerische Arbeiten, sowie Objekte, Neue Medien, Installationen, Performances, Aktionen oder konzeptuelle Arbeiten m\u00f6glich. Insbesondere Installationen, Performances, Aktionen und Konzeptarbeiten sollen jedoch dokumentiert bzw. visualisiert werden, damit das Produkt auch pr\u00e4sentiert bzw. eingereicht werden kann.<\/p>\n<h1>Kriterien<\/h1>\n<ul>\n<li>Intensit\u00e4t der k\u00fcnstlerischen-gestalterischen Auseinandersetzung<\/li>\n<li>Spezifische Kriterien, die sich aus der Arbeit und dem Gestaltungsprozess ergeben<\/li>\n<li>Pr\u00e4sentationsqualit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Braghettone, rette uns von der Inquisition! Dieser breit angelegte Auftrag besch\u00e4ftigt sich im k\u00fcnstlerisch-gestalterischen Sinne mit der Thematik des Zu- und Aufdeckens. Mittels verschiedener Geschichts- und Praxisbez\u00fcgen sowie Vor\u00fcbungen findet eine Ann\u00e4herung zum Thema statt. Es werden verschiedene Gestaltungsmedien verwendet: von der Malerei, zur digitalen Bildbearbeitung, \u00fcber Mischtechniken des Skizzierens bis zu k\u00fcnstlerischen Formen der Installation, Aktion und Konzeptarbeit. Als Vor\u00fcbung eignet sich der Auftrag <a href=\"index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=142&amp;Itemid=56\">Drapierstudien<\/a>. (5SF)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[32,31,26],"class_list":["post-21","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auftraege","tag-bildende-kunst","tag-medien-intermedial","tag-prozess-strategien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1594,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21\/revisions\/1594"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}