{"id":136,"date":"2007-09-04T17:40:21","date_gmt":"2007-09-04T17:40:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/2007\/09\/04\/positionen-der-portraitfotografie\/"},"modified":"2024-05-15T21:50:19","modified_gmt":"2024-05-15T21:50:19","slug":"positionen-der-portraitfotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/positionen-der-portraitfotografie\/","title":{"rendered":"Positionen der Portraitfotografie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag zeigt eine Auswahl von k\u00fcnstlerischen Positionen der Portraitfotografie seit Beginn der Fotografie bis heute.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 130px;\"><address><a href=\"index2.php?option=com_jce&amp;task=popup\" target=\"PopupImage\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-133\" title=\"nadar1860-65_sarahbernhardt_pd\" src=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/thumb_nadar1860-65_sarahbernhardt_pd.jpg\" alt=\"nadar1860-65_sarahbernhardt_pd\" width=\"114\" height=\"150\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" \/><\/a><\/address><\/td>\n<td style=\"width: 165px;\"><address>\u00a0<a href=\"index2.php?option=com_jce&amp;task=popup\" target=\"PopupImage\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-134\" title=\"disderi_8taenzerinunbeschnitten_pd\" src=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/thumb_disderi_8taenzerinunbeschnitten_p.jpg\" alt=\"disderi_8taenzerinunbeschnitten_pd\" width=\"150\" height=\"124\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" \/><\/a><\/address><\/td>\n<td style=\"width: 130px;\"><address><a href=\"index2.php?option=com_jce&amp;task=popup\" target=\"PopupImage\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-135\" title=\"lange1936_migrantmother_pd\" src=\"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/thumb_lange1936_migrantmother_pd.jpg\" alt=\"lange1936_migrantmother_pd\" width=\"115\" height=\"150\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" \/><\/a><\/address><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><address>Nadar 1860-65, Sarah Bernhardt (public domain)<\/address><\/td>\n<td><address>Disd\u00e9ri, T\u00e4nzerin, ungeschnittene Carte-de-Visites (public domain)<\/address><\/td>\n<td><address>Lange 1936, Migrant Mother (public domain)<\/address><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3>Fr\u00fche Berufsfotografen<\/h3>\n<p>Obwohl kurze Zeit nach der Bekanntgabe der Fotografie 1839 die Fototechnik noch kaum so weit war, sind in den USA und in Europa zahlreiche Fotoateliers entstanden, die sich auf Portraitfotografie spezialisiert haben. Die Aufnahmen waren eine Tortour. Durch die minutenlangen Belichtungszeiten war die gr\u00f6sste Schwierigkeit, die Bewegungsunsch\u00e4rfe der Portraitierten zu verhindern. Deshalb wurden die Kunden mit komplizierten und unangenehmen Halterungsvorrichtungen fixiert. Die Fotos musste soweit m\u00f6glich teils auch retuschiert werden, z.B. da die Pupillen wegen der Augenbewegung nicht sichtbar waren. Man f\u00fchrte relativ schnell Requisiten ein und bemalte Hintergr\u00fcnde, um die \u00c4sthetik der Portraitmalerei in der Fotografie fortzuf\u00fchren. Im Verlauf der ersten Jahre wurde das Problem der Unsch\u00e4rfe bei der Portraitfotografie &#8211; durch lichtst\u00e4rkere Objektive und lichtempfindlichere Substanzen &#8211; sukzessive vermindert. Mit der Zeit entwickelten sich nebst der trivialen Portraitfotografie individuelle Positionen von Berufs- und Amateurfotografen.<\/p>\n<h3>Franz Hanfstaengl (1804-1877)<\/h3>\n<p>Deutscher Maler, Lithograf und Hoffotograf. Hanfstaengl schuf Portraits ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten (K\u00f6nig Ludwig II, Otto von Bismarck&#8230;). Die Erfahrung als Maler kommt in den Fotografien stark zur Geltung. Komposition und auch die Accessoires zu den Portraitierten sind sehr pr\u00e4zise gew\u00e4hlt.<\/p>\n<h3>Nadar (1820-1910)<\/h3>\n<p>Franz\u00f6sischer Schriftsteller, Aeronaut und Fotograf. Nadar liess Accessoires und gemalte Hintergr\u00fcnde weg. Er verzichtete auf die Retusche. Seine Portr\u00e4ts inszenieren die Portraitierten mittels dem Licht. Der Blick, die H\u00e4nde und auch die Silhouetten wurden stark betont. Nadar ging es vor allem, um die Wiedergabe der psychischen Verfassung der Portraitierten. Er fotografierte u.a. Schriftsteller und K\u00fcnstler (z.B. Charles Baudlaire, Eug\u00e8ne Delacroix) zu denen er auch oft befreundet war. Nadar setzte des Weiteren als erster Blitzlicht ein (Fotos der Katakomben von Paris) und machte die ersten Luftaufnahmen von einem Ballon aus.<\/p>\n<h3>Julia Margaret Cameron (1815-1879)<\/h3>\n<p>Britische Fotografin. &#8222;Ganz und gar&#8220; von der pr\u00e4raffaelitischen Malerei beeinflusst fotografierte Cameron ber\u00fchmte Zeitgenossen (u.a. Charles Darwin). Sie machte allegorische und mythologische Einzelportraits und Gruppeninszenierungen, unter anderem mit verkleideten Familienangeh\u00f6rigen. Entgegen dem Zeitgeschmack und den damaligen M\u00f6glichkeiten der Fototechnik arbeitete sie teils bewusst mit Unsch\u00e4rfe im Bild.<\/p>\n<h3>Andr\u00e9 Adolphe-Eug\u00e8ne Disd\u00e9ri (1819-1889)<\/h3>\n<p>Franz\u00f6sischer Fotograf. Durch das von Disd\u00e9ri 1854 patentierte Verfahren, der Herstellung so genannter Carte-de-Visites mit mehrlinsigen Kameras auf Kollodium-Negativen, verhalf er der Portraitfotografie dem definitivem Durchbruch. Acht Aufnahmen von ca. 6 X 9 cm konnten so auf einer einzigen Platte festgehalten werden. Fotografien wurden f\u00fcr fast jeden erschwinglich und zur Massenware. Die professionelle Portraitfotografie erhielt hierduch eine neue \u00c4sthetik, vom Prinzip her vergleichbar mit dem heutigen Wandel durch die digitale Fotografie.<\/p>\n<h3>August Sander (1876-1964)<\/h3>\n<p>International bekanntester deutscher Fotograf. Sander z\u00e4hlt zur Neuen Sachlichkeit. Seine Portraits bewegen sich zwischen traditioneller Atelier- und Dokumentarfotografie. Der Fotograf versuchte ein grosses, systematisches Werk zum Urtypen des Menschen zu machen, konnte jedoch sein grossen Projekt nie fertig f\u00fchren. &#8222;Sachlich&#8220; zeigen die Haltung, der Blick und der Gesichtsausdurck der Portraitierten mehr, als es die Umgebung und Attribute tun.<\/p>\n<h3>Dorothea Lange (1895-1965)<\/h3>\n<p>US-amerikanische Portraitfotografin und Mitbegr\u00fcnderin der Dokumentarfotografie. Lange arbeitete zuerst selbstst\u00e4ndig in ihrem eigenen Portraitstudio und sp\u00e4ter f\u00fcr die Farm Security Administration (FSA &#8211; Unter Roosevelt gegr\u00fcndete Organisation zur Unterst\u00fctzung von Kleinbauern und der armen Landbev\u00f6lkerung mit einer Abteilung f\u00fcr die fotografische Dokumentation, wo bekannte Fotografen gearbeitet haben). Ihr ber\u00fchmtestes Bild &#8222;Migrant Mother&#8220; l\u00f6ste unter anderem einen Diskurs aus \u00fcber moralischen Grenzen und Authentizit\u00e4t der Dokumentarfotografie.\u00a0<\/p>\n<h3>Diane Arbus (1923-1971)<\/h3>\n<p>US-amerikanische Fotografin. Arbus schulte Ihr Konzept und Ihr Blick an den Werken August Sanders. Ihr Thema ist das Kranke und Abstossende im t\u00e4glichen Leben, was schockierte. Sie fotografierte Aussenseiter, Transvestiten, Kleinw\u00fcchsige, Homosexuelle, Behinderte aber auch Durchschittsmenschen mit einem gesellschaftskritischen Realismus und ohne die Portraitierten bloss zu stellen. &#8222;Ihre Bilder mit den ungew\u00f6hnlichen Einstellungen von Licht und Schatten behalten trotz der gestellten Szene eine gewisse Schnappschuss-\u00c4sthetik und stehen damit im Gegensatz zur Stieglitzschen Philosophie des perfekten Abzugs.&#8220; (Quelle: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diane_Arbus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>)\u00a0<\/p>\n<h3>Arnold Newman (1918-2006)<\/h3>\n<p>US-Amerikanischer Portraitfotograf. Trotz der M\u00f6glichkeiten der Kleinbildkameras arbeitete Newman mit schweren Grossformatkameras. Seine Aufnahmen sind klar durchdacht und komponiert. Das Umfeld des Portraitierten r\u00fcckt in den Vordergrund und bilden die wesentliche Aussage zum Bild. Newman gilt als einer der einflussreichsten Portraitfotografen der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<h3>Thomas Ruff (1958-)<\/h3>\n<p>Deutscher Fotok\u00fcnstler. Ruff schuf in den 80-er Jahren n\u00fcchterne Portraitfotografien von Freunden, die an (standardisierte) Passfotos erinnern, jedoch auf riesigen Formaten vergr\u00f6ssert wurden und trotz der hohen Detailsch\u00e4rfe sehr distanziert wirken. In sp\u00e4teren Fotografien verfremdet er pornografische Bilder u.a. mit dem Mittel der Unsch\u00e4rfe.<\/p>\n<h3>Nan Goldin (1953-)<\/h3>\n<p>US-amerikanische Fotok\u00fcnstlerin. Goldin gew\u00e4hrt einen sehr pers\u00f6nlichen Einblick in ihr Leben. Themen sind Sex, Drogen und Gewalt aus ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld, das sie in eine Art visuellem Tagebuch offen legt. Durch die Schnappschuss- \u00c4sthetik und die intimen Einblicke wirken die Bilder schonungslos direkt. Sie erlangte hiermit in den 90-er Jahren grosse Popularit\u00e4t.<\/p>\n<h3>Weitere interessante hisorische und zeitgen\u00f6ssische Portraitfotografen und K\u00fcnstler<\/h3>\n<ul>\n<li>Rudolf D\u00fcrhkoop (1848-1918)<\/li>\n<li>Hugo Erfurth (1874-1948)<\/li>\n<li>Gis\u00e8le Freund (1908-2000)<\/li>\n<li>Henri Cartier-Bresson (1908-2004)<\/li>\n<li>Irving Penn (1917-2009)<\/li>\n<li>Lothar Wolleh (1939-1979)<\/li>\n<li>Horst Tappe (1938-2005)<\/li>\n<li>Albert Watson (1942)<\/li>\n<li>Sophie Calle (1953)<\/li>\n<li>Annie Leibovitz (1949)<\/li>\n<li>Cindy Sherman (1954)<\/li>\n<li>Martin Schoeller (1968)<\/li>\n<li>etc.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu diesem Thema auch interessant:<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung &#8222;Family of Man&#8220; (NY MoMa 1951) zusammengestellt von Edward Steichen (1879-1973)<\/li>\n<\/ul>\n<h3>\u00a0Literatur und Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>Baatz, Willfried (2002): Schnellkurs &#8211; Geschichte der Fotografie.<\/li>\n<li>Eschmann, Walter; Hahne, Robert; Tlusty Volker (2004): Kunst im \u00dcberblick. Kammerlohr. Seite 382.<\/li>\n<li>Newhall, Beaumont (1989): Geschichte der Photographie.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag zeigt eine Auswahl von k\u00fcnstlerischen Positionen der Portraitfotografie seit Beginn der Fotografie bis heute.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3905,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[30,39,24],"class_list":["post-136","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-bildnerische-mittel","tag-fotografie","tag-kunstgeschichte-bildwissenschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=136"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7678,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136\/revisions\/7678"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstunterricht.ch\/e\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}