Dieser Beitrag stellt Tipps für den Dreh von Kurzfilmen an Schulen zusammen. Auch in kleinen Produktionen läuft der Filmprozess in drei Phasen: 1. Vorproduktion mit der Planung, 2. Dreh und 3. Postproduktion mit dem Schnitt.
1. Vorproduktion
Film ist Teamarbeit. Bilde zu Beginn oder im Verlauf der Vorproduktion ein Team. Bei einer Schulproduktion fungiert die Schule bzw. Lehrperson als Produzentin. Wichtige Rollen der Schülerschaft sind (siehe auch die weiteren Rollen in der Filmproduktion):
- Regie: Verantwortet die kreative Vision und leitet das Team.
- Evtl. FilmautorIn: Entwickelt die Handlung, Charaktere und evtl. Dialoge.
- Storyboard-KünstlerIn: Erstellt visuelle Darstellungen der Szenen, um die Inszenierung und den Ablauf des Films zu planen.
- Schauspielerinnen und Schauspieler: Bringen die Charaktere zum Leben.
- ProduktionsdesignerIn: Inszeniert die Sets, Kostüme/Maske, Requisiten.
- Kameramann/Kamerafrau mit Assistenz: Gestaltet die Kameraführung.
- FilmeditorIn/Cutter mit Assistenz: Schneidet das Filmmaterial.
- Ton-EditorIn: Gestaltet den Ton für Atmos, Musik, Soundeffekte, Dialoge.
Falls keine Vorgaben bestimmt wurden, einigt euch auf ein Filmgenre. Dies gibt Halt für die Entwicklung des Films und erleichtert eine allfällige Recherche.
Entwickelt unter der Führung der FilmautorIn ein gemeinsames Thema und das Leitmotiv. Erstellt dazu eine Synopsis, also eine knappe Zusammenstellung des Plots (der Handlung), oder mindestens ein Konzept, wie beim Dreh vorgegangen werden soll.
Mit einem Storyboard werden die gestalterischen Mittel des Films entwickelt, wie Einstellungsgrössen, Kameraführung, Schnittrhythmus oder Montagekonzept. Damit werden gestalterisch schon viele Entscheidungen getroffen oder zumindest wertvolle Ideen gewonnen, womit man für den Dreh und die Nacharbeiten (Postproduktion) besser vorbereitet ist. Wie stark man sich später am Storyboard hält, hängt von der Regie und den zur Verfügung stehenden Ressourcen ab. Ein Drehbuch braucht es nur bei Dialog.
Entscheidet im Team spätestens jetzt, wer welche Rolle übernimmt. Zumindest Regie, Kamera, Schauspiel und Schnitt sollte klar vergeben sein. Bei aufwändigeren Produktionen können je nach Film weitere Rollen besetzt werden, wie für das Licht, Produktionsdesign (Set, Kostüm, Maske), Ton-Edition (Atmos, Musik) etc.
Wo könnt ihr euren Film drehen? Scoutet und plant nun die Filmsets. Der filmische Raum ist ein fiktiver Raum. So kann man durch eine Tür gehen und an einem Ort erscheinen, der an einem anderen Set ist, jedoch im Film zusammenhängt. Aber selbstverständlich ist es organisatorisch einfacher, wenn sich alles an einem Filmset drehen lässt oder die Sets zumindest nahe beieinander sind.
2. Dreh
Spielfilme sind im Querformat, filmt deshalb alle im Querformat! Ausser es gibt ganz bestimmte Gründe, dies nicht zu tun, z.B. wegen dem eindeutigen Zielkanal in einem anderen Format z.B. bei gewissen Social-Media-Plattformen.
Spielt mit den Einstellungsgrössen von der Supertotalen, über Halbnah bis zum Close-Up. Manchmal erzählt ein Close-Up von nervösen Füssen, zarten Handgesten oder ein leeres Glas mehr als ein „ganzes“ Bild. Setzt genau so die Augenhöhe bewusst ein (Vogel-, Normal- bis Froschperspektive).
Auch die Kamerafahrt muss je nach Einstellungen ganz bewusst genutzt werden. Ein langsamer Schwenk aus einer subjektiven Perspektive der DarstellerInnen ermöglicht es dem Filmpublikum beispielsweise, sich intensiver in die Szene hineinzuversetzen.
Lässt die Kamera bei einer Einstellung vorher und nachher immer drei bis fünf Sekunden länger als die Handlung laufen. Diese Reserve braucht ihr später für den Schnitt.
Auf dem Set ist es es auch wichtig, dass alle immer wissen, was zu tun ist und im welchen Moment Ruhe sein soll. Deshalb muss die Regie sowie die Crew mindestens folgende drei Kommandos kennen (oder ähnlich).
- Regie: „Kamera klar? Alle bereit?“
- Kamera: „Kamera läuft!“
- Alle andern auf Position: „OK“ oder zustimmender Blick etc.
- Regie oder Assistenz: „Szene x, Take y, Action/Los!“ und vor Kamera mit den Händen klappen
- Alle: 3 bis 5 Sekund in Position warten, dann erst die Szene spielen
- Regie: 3-5 Sekunden warten, dann erst „Cut/Schnitt/Fertig!“
- Alle: Erst jetzt mit der Kameraaufnahme stoppen, es darf wieder entspannt und gesprochen werden
3. Postproduktion
Man sagt, dass in der Postproduktion der Film ein zweites mal entsteht. Denn die Schnittarbeit ist nicht nur eine technische sondern eine enorme kreative Herausforderung. Manches funktioniert nicht wie geplant und muss umgestellt werden. Und manchmal bietet es sich aus dem Ausgangsmaterial an, den Film ganz anders zu gestalten und zu erzählen. Dieser Prozess kann den Film tatsächlich dramatisch verändern – und verbessern. Eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen soll.
Im Filmteam übernimmt nun der Cutter die Verantwortung, arbeitet führend am Computer und lässt sich durch Teamkollegen, die vielleicht noch nicht so richtig zum Einsatz gekommen sind, assistieren.
Markiere zur Vorbereitung in einem Sammelordner die guten Takes, lösche aber die misslungen noch nicht. Diese haben ja nach Situation schon so manchen Cutter gerettet, auch wenn es nur darum ging, ein Stück Audiospur daraus zu gewinnen.
Wähle ein einfaches Schnittprogramm, damit du dich zeitlich nicht verlierst. Falls du eine Gratis-App wählst, achte darauf, dass die App den Export ohne Einschränkungen, Downscaling oder etwa Werbe-Logo ermöglicht. Im professionellen Bereich kann mit Adobe (Premiere) Rush einfach und effektiv geschnitten werden, was auf dem Computer, Tablett und notfalls auch auf dem Handy funktioniert. Die App ist leicht verständlich. Sonst gibt es auch viele Online-Tutorials (z.B. Einführung). Reichen die Funktionen in Rush nicht, kann dann immer noch relativ spontan auf Adobe Premiere Pro gewechselt werden (falls die Schule eine volle Lizenz hat).
Erstelle zuerst den Rohschnitt, damit du siehst, ob der Film grob in der Gesamtmontage und im Schnittrhythmus funktioniert. Bearbeite danach im Feinschnitt die Übergänge präzise. Standart ist ein harter Schnitt. Manchmal macht es aber auch Sinn, einen kurzen oder langsamen weichen Schnitt von einer zur nächsten Einstellung. Im Feinschnitt achtest du auch auf die Bewegungen, die von einem zum nächsten Bild präzise geschnitten werden müssen, um eine durchgehende Bewegungen im filmischen Raum zu erzeugen oder – im Gegenteil – bewusste Brüche zu betonen.
Arbeitest du mit einem zusätzlichen Soundbett, müssen die Bilder selbstverständlich auch darauf abgestimmt werden. So kann ein Audioausschlag den exakten Zeitpunkt des Cutts bestimmen. Nutze auch die Möglichkeit von einem J-Schnitt, bei dem der Ton der nächsten Einstellung bereits vor dem Bild kommt, oder von einem L-Schnitt, bei dem der Ton von der letzten Einstellung noch in das nächste Bild ausläuft. Freie Musik für deinen Film, insbesondere für die nichtkommerzielle Nutzung – aber nicht nur, findest du z.B. bei Creative Commons-lizenzierte Sammlungen.
Erstelle zum Schluss einen Abspann, in dem du die Rollen der Crew notierst und allenfalls auch Fremdmaterialien nennst, die du eingebunden hast (z.B. Musiktitel und ihre Lizenz) .
Bespreche wichtige Zwischenresultate wie den Rohschnitt oder spätestens das Resultat des Feinschnitts vor dem Exportieren mit der Regie und korrigiere Aspekte und Patzer, die du und deine Assistenz durch das intensive Arbeiten nicht (mehr) gesehen haben.
Exportiere nun deinen Film lokal auf deine Harddisc. In der Regel können dann alle Einstellungen auf „automatisch“ bleiben. Sollte eine gute Komprimierung (z.B. H.264, bei Adobe Rush automatisch) immer noch zu grosse Datenmengen produzieren, wäre für gewisse Distributionen notfalls eine Reduktion der Auflösung denkbar.
Der Film ist gut geworden? Es könnte sich lohnen, ihn bei einem der zahlreichen Wettbewerbe einzureichen. Oder zumindest mit Freunden ein kleines Homekino einrichten und Popcorn nicht vergessen!
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Beitragsbild: Popcorn von Fir0002 (CC via Wikimedia Commons)
