Arbeiten mit Gips

Arbeiten mit Gips

Dieser Leitfaden führt in das Arbeiten mit Gips ein.

Anwendungsbereich

Gips ist ein vielseitiges Material, das für Skulpturen (subtraktives Arbeiten) und Plastiken (additives Arbeiten inkl. Gusstechniken) genutzt wird.

Gips kommt in verschiedenen Disziplinen wie Architektur, Produktdesign, Bildende Kunst oder auch Medizin zum Einsatz. Die Kulturgeschichte der Gipsnutzung geht weit zurück. Für künstlerische Zwecke kommt Gips bereits seit 9000 Jahre zum Einsatz. Als Baumaterial wird Gips sogar seit der Jungsteinzeit genutzt.

Materialien und Werkzeuge

Ausgangsmaterial

  • Alabaster: Fein, weich, oft durchscheinend, dekorative Anwendungen
  • Modellgips: Feine Körnung, detaillierte Modellierarbeiten und Formen
  • Stuckgips: Stuck und Ornamenten, reliefartige Oberflächen und Texturen
  • Schnellbindender Gips (Elektrikergips): Schnelle Aushärtung, Reparaturen und Montagearbeiten

Grundausrüstung

  • Gips und Wasser (je nach Anwendungsgebiet für schnelles Binden auch Elektrikergips oder für verzögerte Bindung Füllspachtel à 60 min)
  • Gipsschale und zusätzlicher Kunststoffbecher (zum Ausschöpfen und einstreuen des Gips, kann auch von Hand gemacht werden)
  • Spachtel mit Blattbreite von ca. 3cm (zum Umrühren und evtl. Spachteln)
  • Wasserbecken von ca. 30cm x 30cm (zum Spülen der Werkzeuge)
  • Arbeitsfläche: Glatte Tischplatte oder Kunststofftischdecke, Gipsständer oder Unterlage (z.B. altes Holzbrett)

Weiterer Bedarf für spezifische Verfahren

  • Zur Vorbereitung von Gipsklötzen für Skulpturen oder für frei Abgüsse: Irgendwelche dichte Hohlformen wie Pappbecher, Pralinenschachteln, Plastiksäcke, für selbstgeformte und kleinere Verschalungen mit > 2mm Graukarton mit Klebeband, für grössere Verschalungen Holztafeln mit Schrauben und Klebeband (zur zusätzlichen Verdichten), evtl. Seife oder Vaselin zur Schliessung der Innenraumoberflächentexturen
  • Für aufbauendes Arbeiten: als Gipskern eignen sich z.B. Polystyrol- oder andere Hartschaumplatten (z.B. Sagex oder besser XPS), genauso kann mit Draht, Holzkern oder anderen Armierungen gearbeitet werden und evtl. Textilien (um selbst Gipsbandagen oder Stofflandschaften herzustellen). Tipp: Wer mit einem Kern arbeitet, sollte nicht zu viel Zeit in der Bearbeitung der Kern-Oberfläche verschwenden. Diese wird mit Gips später sowieso geglättet.
  • Zur Nachbearbeitung trockener Gipsblöcke: Holzsäge, Schnitzmesser, Raspel/ Feilen, Schleifpapier und evtl. Schraubstock
  • Zum vorherigen Einfärben: Pigmente noch im trockenen Gips gut einmischen oder Acrylfarbe direkt in den nassen, bereits angerührten Gips mischen (ergibt Pastellfarben)
  • Zur farblichen Nachbearbeitung: Acryl, Wax oder anderes Material, wobei Gips gerade in seiner unbehandelten Form aufgrund der guten Lichtmodulation bei hellen Objekten eine hohe Qualität in der Darstellung von Formen und Oberflächen zeigt.

Arbeitsprozess

Vorbereitung

  1. Wasser in Gipsschale (Gipsschale nicht füllen, 80% der gewünschten Endmasse)
  2. Gips locker einstreuen (ohne Umrühren!)
    • Für Gipsguss bis in der Mitte eine stabile Insel entsteht
    • Für Spachtelarbeit bis die Insel noch einen Wasserrand hat
  3. Umrühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind, und 5 min warten 
  4. Ein weiteres Mal Umrühren und mit der Bearbeitung beginnen

Bearbeitung

  • Je nach Gips (und Klima) dauert die Bindezeit ca. 5 oder 30 bis 60 Minuten oder mehr (Elektrikergips vs. Modellgips vs. Füllspachtel)
  • Je nach Verfahren wird der Gips nass geformt oder nach dem Austrocknen im harten Zustand bearbeitet oder beides
  • Weitere Details siehe weiter oben bei Materialien und Werkzeuge

Aufräumen

  1. Gipsresten vom Tisch mit Spachtel grob abziehen, danach mit trockenen Lumpen abwischen, bevor dieser schliesslich feucht aufgenommen wird
  2. Gipsverschmierte Hände, Gipsschale und Spachtel im Wasserbecken mit stehendem Wasser auswaschen, bevor diese unter dem fliessenden Wasser gewaschen werden
  3. Wasserbecken 10 min stehen lassen (der Gips senkt sich)
  4. Wasser vorsichtig bis zum bzw. ohne Gipsfond ablaufen lassen
  5. Gipsfond z.B. mit Kartonresten aus dem Becken ausschaben und Gips entsorgen (geringe Mengen bei Gipsarbeiten in Klassen dürfen in den Restmüll, grosse Mengen bei Bauarbeiten müssen fachgerecht entsorgt werden, d.h. als Privatperson via Werkhof)
  6. Weitere Werkzeuge wie Raspeln und Feilen ausblasen oder trocken abbürsten

Beitragsbild: Unterrichtsbeispiel mit Gips (cc nc nd)

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