Die Parallelperspektive, korrekterweise "Parallelprojektion" genannt, erlaubt eine einfache und übersichtliche Darstellung des dreidimensionalen Raumes auf einer zweidimensionalen Fläche. Im Gegensatz zur Punktperspektive (Zentral- und Überekperspektive) wirkt die Parallelperspektive weniger wirklichkeitsnahe, ist aber einfacher zu Handhaben, weshalb sich die Parallelperspektive insbesondere zur Entwicklung und Planung z.B. von Architekturen, Einrichtungen oder anderen Produkten eignen. Im Folgenden werden verschiedene Typen der Parallelperspektive gezeigt, die je nach Einsatzbereich besonders geeignet sind. Für einen kürzeren und anspruchsloseren Zugang siehe den Beitrag Parallelperspektive kurz und knapp. (mit Illustrationen des Autors)

Allgemein 

Voraussetzungen: Parallelperspektiven sind wie die Punktperspektiven planare Projektionen. D.h. die Projektionsebene (Zeichenfläche) ist eben, also nicht gekrümmt (sphärisch). Im Gegensatz zu den Punktperspektiven schneiden sich die Projekttionsstrahlen nicht in einem Zentrum, sondern sind parallel zueinander.

 parallelperspektive_ku-ts  punktperspektive_ku-ts
Parallelperspektive
 Punktperspektive

Auswirkungen: Parallelen im Raum sind auf der Zeichenfläche parallel, Raumdistanzen sind auf der Zeichenfläche konstant (konstante Verkürzungen).

parallel-konstanteverkuerzung_ku-ts koordinatenquader_ku-ts
Konstante Verkürzungen (t1 = t2)
und Parallelen
 Koordinatenquader (a=b=c)

Je nach Konstellation von Projektionsgegenstand, Projektionsebene und Projekttionsrichtung entwickeln sich verschiedene Typen der Parallelperspektive, in denen die Verkürzungen und Winkel in einem bestimmten Verhältnis stehen. Um dies aufzuzeigen, wird hier von einem Koordinatenquader ausgegangen. Dies ist ein im Koordinatensystem x,y,z eingepasster Quader mit Einheitsseiten (Würfel).

Typen der Parallelperspektive 

Tafelprojektionen (auch Rissdarstellung oder rechtwinklige Projektion genannt)

Voraussetzungen: Die Projektionsstrahlen stehen senkrecht zur Projektionsebene. Eine Koordinatenebenen (von xy, yz oder zx) steht parallel zur Projektionsebene.

In der Dreitafelprojektion stehen die drei Hauptprojektionen in Relation zueinander:

  1. Grundriss
  2. Aufriss
  3. Seitenriss

In einer Varianten hiervon könnte auch der Seitenriss (3.) im vierten Quadranten gearde stehen. Auch andere Varianten oder die Einbindung schräger Schnitte sind möglich. Es ist lediglich darauf zu achten, dass die Umklappungen mit den Achsen logisch gezeichnet sind. So können die (feinen) Messlinien genutzt werden.

tafelprojektion_ku-ts
 
 3-Tafelprojektion

Auswirkungen: Die Strecken und Winkel auf der Frontalebene des Koordinatenquaders werden nicht verkürzt bzw. verzerrt, was eine Handhabung vereinfacht. Allerdings wirkt der Koordinatenquader nicht räumlich und ist schwierig vorzustellen.

Einsatzbereiche (Bsp.): Planzeichnung zur Umsetzungen von Architekturen und Produkte.

Axonometrische Projektionen

Voraussetzungen: Die Projektionsstrahlen stehen senkrecht zur Projektionsebene. Keine Koordinatenebene (von xy, yz oder zx) steht parallel zur Projektionsebene.

Varianten:

  1. Isometrie ("gleiche Massstäbe" 1 : 1 : 1 und 30°, 30°, 90° bzw. alle Winkel gleich, da alle drei Koordinatenachsen im gleichen Winkel zur Projektionsebene stehen)
  2. Dimetrie ("zwei Massstäbe" z.B. 1 : 0.5 : 1 und 7°, 41.5°, 90°, da zwei Koordinatenachsen im selben Winkel zur Projektionsebene stehen)
  3. Trimetrie ("drei Massstäbe" z.B. 0.9 : 0.5 : 1 und 5°, 18°, 90° da alle Koordinatenachsen in einem anderen Winkel zur Projektionsebene stehen)
isometrie_ku-ts dimetrie_ku-ts  trimetrie_ku-ts
 Isometrische Projektion
 Dimetrische Projektion
 Trimetrische Projektion

Auswirkungen: Koordinatenquader wirkt räumlich und ist leicht vorzustellen. Allerdings werden alle Winkel verzerrt und in der Di- und Trimetrie zudem noch die Seiten verkürzt, was eine Handhabung erschwert.

Einsatzbereiche (Bsp.): Entwicklung und Visualisierung von Architekturen und Produkten.

Schiefe Projektionen

Voraussetzung: Die Projektionsstrahlen stehen nicht senkrecht zur Projektionsebene. Eine Koordinatenebene (von xy, yz oder zx) steht parallel zur Projektionsebene.

Varianten:

  1. Kabinettprojektion (z.B. 1 : 0.5 : 1 und 0°, 30° oder 45°, 90°. Der Aufriss wird hier nicht verzerrt)
  2. Militärperprojektion auch Kavallierprojektion genannt (z.B.1 : 1 : 0.5 und 0°, 90°, 30° oder 45°. Der Grundriss wird hier nicht verzerrt.)
 kabinett_ku-ts militaer_ku-ts
 Kabinettprojektion
 Militärprojektion

Auswirkungen: Die Strecken und WInkel auf der Frontalebene des Koordinatenquaders werden nicht verkürzt bzw. verzerrt, was eine Handhabung vereinfacht. Zudem wirkt der Koordinatenquader räumlich und ist leichter vorzustellen als bei der Rissdarstellung. Allerdings wirkt der Quader etwas weniger natürlich als bei den axonometrischen Darstellungen.

Einsatzbereiche (Bsp.): Visualisierung dreidimensionaler Stadtkarten, Entwicklung von Wandgestaltungen, zur Visualisierung und Analyse komplexer Daten.

Freie Parallelperspektive (Freie Parallelprojektion)

Voraussetzung: Die freie Parallelperspektive richtet sich nicht an mathematisch errechneten Werte bei den Koordinatenverkürzungen und -winkel, die wie bei den obigen Beispielen in einem festen Verhältnis stehen.

Varianten: In der freien Parallperspektive können die Darstellungen verschiedenste Formen annehmen. Sie können sogar der Di- oder Tirmetrie gleichen. Die Koordinatenverkürzungen und -winkel werden aber frei bestimmt - meist von Auge, das dem jeweiligen Sujet entgegen kommt. Zu beachten ist lediglich, dass eine konstante Verkürzungen und die Parallelen beibehalten werden. Um die Darstellung plausibel zu halten, sollten unter anderem die Winkel weder zu stark verzerrt noch gleich gesetzt werden (180°-α-β > 90° und α ≠ β).

 

dimetrie_ku-ts  trimetrie_ku-ts
 Etwas mehr Aufsicht
 Etwas mehr Ansicht

Auswirkungen: Die Auswirkungen können dem Bedürfnis entsprechend gesteuert werden. Das Verfahren erlaubt ein freieres und schnelles Arbeiten, was der Kreativität und Spontanität zu Gute kommt.

Einsatzbereiche (Bsp.): Spontane, meist in Freihand gehaltene Skizzen. Entwicklung von Architekturen, Produkten und Phantasien (erste Entwürfe). Zur präzisen Umsetzung und Ausführung komplexer Vorhaben kommt diese Darstellung an seine Grenzen.