Das Thema Farbkontraste zählt zur Farbenlehre, kann jedoch von der allgemeinen Kontrasttheorie abgeleitet werden, sofern man die Farbdimensionen kennt. Ein Farbkontrast bezeichnet den Unterschied einer bestimmten Farbdimension (Farbton, Helligkeit, Sättigung und Farbtemperatur). In dieser Zusammenstellung werden "echte" Farbkontraste von Kontrasteffekten unterschieden. Farbkontrasteffekte wirken auf die eigentlichen Kontraste zusätzlich ein.

 

Fünf Farbkontraste

Farbkontraste bezeichnen Unterschiede, die die Farbwerte zweier oder mehrerer Farbflächen einnehmen können. Unterschiede können überall dort auftreten, wo Eigenschaften der Farben feststellbar sind. Diese Unterschiede gestalten sich gross (stark), klein (schwach) oder gar nicht. Ausserdem kann sich ein Kontrast mit kontinuierlichem Übergang als weich oder mit sichtbaren Farbsprüngen als hart gestalten.

1) Farbton-Kontrast

Als erster Farbkontrast soll hier der Farbton-Kontrast aufgezeigt werden. Liegen der Farbton zweier oder mehrerer Farbflächen im Farbkreis weit auseinander, spricht man von einem starken Kontrast. Bei einem schwachen Kontrast unterscheiden sich die Farbtöne wenig voneinander.

 

Kontrast_Farbton_gross_ku-ts
 a) Starker Farbton-Kontrast

 

Kontrast_Farbton_klein_ku-ts
  b) Schwacher Farbton-Kontrast

2) Helligkeits-Kontrast

Der Helligkeits-Kontrast vergleicht die Hell-Dunkel-Werte der zueinander stehenden Farben. Achtung: Auch reine Farben (Sättigung = 100%) unterscheiden sich in der Helligkeit. Somit kann auch bei reinen Farben ein Helligkeits-Kontrast festgestellt werden. Der grösste Helligkeits-Kontrast bei reinen Farben besteht zwischen Gelb und Violettblau.

Kontrast_HellDunkel_gross_ku-ts  platzhalter Kontrast_HellDunkel_klein_ku-ts
 a) Starker Helligkeit-Kontrast
 
b) Schwacher Helligkeit-Kontrast 

3) Sättigungs-Kontrast

Steht eine bunte neben einer trüben Farbe, spricht man von einem hohen Sättigungs-Kontrast. Bei einem schwachen Sättigungs-Kontrast unterscheidet sich die Sättigung kaum.

Kontrast_Saettigung_gross_ku-ts  platzhalter Kontrast_Saettigung_klein_ku-ts
 a) Starker Sättigungs-Kontrast
 
b) Schwacher Sättigungs-Kontrast 

4) Temperatur-Kontrast

Die Farbwirkung kann mit einer Temperaturempfindung verglichen werden. So empfindet der Mensch in der Regel Cyanblau als kalte Farbe und Orangerot als warme Farbe. Im Farbtonkreis gliedern sich die Farbtemperaturen systematisch. Je näher die Farbe am Kältepool (Cyanblau) ist, desto kälter wird diese Empfunden und umgekehrt mit dem Wärmepool (Orangerot). Zudem kann eine Farbe in der Regel mit Weiss abgekühlt und mit Schwarz aufgewärmt. So kann auch mit der Sättigung die Farbtemperatur verändern. Der Temperatur-Kontrast bezeichnet das Verhältnis der Farbtemperatur.

Kontrast_Warmkalt_gross_ku-ts  platzhalter Kontrast_Warmkalt_klein_ku-ts
 a) Starker Temperatur-Kontrast
 
b) Schwacher Temperatur-Kontrast 

5) Mengen-Kontrast

Beim Mengen-Kontrast geht man davon aus, dass Farbwerte wegen ihrer Leuchtkraft nicht die gleiche Aufmerksamkeit bzw. den gleichen Raum in Anspruch nehmen. Um ein ausgewogenes Verhältnis von Farbwerten zu erhalten, müssen die Farbflächen unterschiedlich gross gestaltet werden. Aus Goethes Farbenlehre lässt sich zur gleichwertigen Erscheinung folgendes Verhältnis beschrieben, was nicht all zu streng genommen werden soll aber das Prinzip gut verdeutlicht:

Gelb   : Orange   : Rot   : Grün   : Blau  : Violett
3  : 4  : 6  :  :  : 9

So muss für ein ausgeglichenes Verhältnis, also für einen schwachen Kontrast z.B. eine violette Fläche drei Mal grösser gestaltet werden als eine gelbe Fläche. Umgekehrt wirkt das Verhältnis unausgeglichen und kann als starker Kontrast beschrieben werden.

kontrast_menge_gross_ku-fs  platzhalter kontrast_menge_klein_ku-fs
 a) Starker Mengen-Kontrast
 
b) Schwacher Mengen-Kontrast

 

Drei Farbkontrasteffekte

Kontrasteffekte sind physiologisch-kognitiv bedingte Phänomene, die bei speziellen Farbkontrasten durch den Korrekturvorgang der menschlichen Wahrnehmung entstehen und eigene Effekte hervorrufen. Die Rezeptoren auf der Netzhaut des menschlichen Auges versuchen bei einer starken Aktivierung abwesende Farben zu kompensieren, wodurch andere Farbwerte empfunden werden, als es ein physikalisches Messgerät messen würde. Die Kontrasteffekte sind wie die Farbkontraste als Gestaltungsmittel nutzbar, müssen aber durch deren spezielle Wirkung besonders berücksichtigt werden.

1) Simultan-Kontrast

Bei der gleichzeitigen Betrachtung (simultan) zweier nebeneinander liegenden Farben nimmt jede Farbe etwas von der Komplementärfarbe der anderen Farbe an. So wirkt ein von Violettblau eingeschlossenes Grau heller als wenn es von Gelb eingeschlossen ist, was als optisches Überfluten bezeichnet wird. Abgesehen davon wirkt hier nun das Rechteck links grösser als das rechts.

simultan_blau_ku-fs  platzhalter Simultan_gelb_ku-ts
a) Simultankontrast mit Violettblau
 
b) Simultankontrast mit Gelb

2) Komplementär-Kontrast

Nebeneinanderliegende Komplementärfarben gelten als spezieller Simultan-Kontrast. In diesem Fall wird eine Farbe vom eigenen Farbwert überflutet. Die Farben steigern sich also gegenseitig: Ein Gelb wirkt "gelber" als ein reines Gelb und ein Violettblau auch intensiver als ein reines Violettblau, was die Wahrnehmung irritiert, die Aufmerksamkeit steigert und deshalb z.B. gerne in der Werbung benutzt wird. Manche verstehen auch Schwarz in Kombination mit Weiss als Komplementär-Kontrast, da es denselben Effekt hervorruft.

komplementaer_blaugelb_ku-f  platzhalter Komplementaer_gruenmagenta_ku-ts  platzhalter Komplementaer_Schwarzweiss_ku-ts
a) Komplementärkontrast
    mit Violettblau und Gelb 
 
b) Komplementärkontrast
    mit Grün und Magentarot
 
c) Komplementärkontrast
    mit Schwarz und Weiss

 

3) Sukzessiv-Kontrast

Das menschliche Auge ist träge. Wenn nun die wahrgenommene Farbe schlagartig wechselt oder die Blickrichtung geändert wird, sehen wir aufeinander folgend (sukzessiv) für einige Sekunden die Gegenfarbe. Als wohl bekanntestes Beispiel gilt der Blick in die Sonne, die für kurze Zeit einen bleibenden Eindruck mit der Gegenfarbe hinterlässt, was auch als Nacheffekt oder Nachbild bezeichnet wird (Link zu einem Beispiel).

 

Quellen/Links